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27.12.2006
Familiengröße: Qualität statt Quantität
Studie in PNAS

Viele Kinder zu bekommen ist nicht unbedingt ein evolutionärer Vorteil. Das schließen Dustin J. Penn von der ÖAW und der US-Forscher Ken R. Smith aus den Daten der Utah Population Database.

Lange Zeit war es für Eltern erstrebenswert, viele Kinder zu bekommen. Doch das hatte seit jeher seinen Preis. Dustin J. Penn vom Konrad-Lorenz-Institut für vergleichende Verhaltensforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und Ken R. Smith, Populationswissenschafter am Huntsman Cancer Institute (University of Utah), haben versucht, diesen Preis für Mütter, Väter und Geschwister zu quantifizieren. In ihrer jüngsten, in PNAS veröffentlichten Studie, belegen die Autoren, dass eine hohe Anzahl an Nachkommen sowohl die Überlebenschancen der Eltern - vor allem der Mütter - als auch die evolutionäre Fitness der Nachkommen verringert. Das bedeutet, dass die natürliche Selektion offenbar eine größtmögliche Reproduktion nicht begünstigt.

Im vorindustriellen Nordamerika scheinen sich Qualität und Quantität hinsichtlich der Familiengröße auszuschließen. Dustin J. Penn und Ken R. Smith werteten Daten aus der Utah Population Database von über 21000 Elternpaaren, die zwischen 1860 und 1895 geheiratet hatten und oft mehr als sieben Kinder bekamen, aus. Die beiden Forscher fanden heraus, dass Eltern mit zunehmender Kinderzahl signifikant früher als Vergleichspaare starben und dass vor allem die Mütter großer Familien ein deutlich größeres Risiko hatten, kein hohes Alter zu erreichen. Den Studienergebnissen zufolge waren die Konsequenzen für die Nachkommen, die die Mutter verloren hatten, gravierender, als für solche, die ohne Vater aufwuchsen. Halbwaisen hatten es unter den damaligen Lebensumständen schwerer, zu überleben und später selbst eine große Familie zu gründen. Die Auswertung der Daten aus Utah zeigte weiters, dass letztgeborene Kinder mit zahlreichen älteren Geschwistern im Durchschnitt geringere Überlebenschancen hatten.

Die Forscher sind überzeugt, dass ihre Ergebnisse dazu beitragen, die Eigenheiten der menschlichen Reproduktion ein wenig besser zu verstehen. "Wir können uns jetzt besser erklären, warum Frauen im Allgemeinen weniger Kinder bekommen, wenn sie - meist über den besseren Zugang zu Bildung und Verhütungsmitteln - ihre Reproduktion selbst kontrollieren können. Sie bezahlen eine hohe Kinderzahl ja mit ihrer Lebenserwartung. In diesem Sinne erscheint auch die Menopause als ein evolutionärer Vorteil für Frauen", erklärt Studienautor Dustin J. Penn.


Dustin J. Penn and Ken R. Smith, "Differential fitness costs of reproduction between the sexes", PNAS published December 27, 2006, 10.1073/pnas.0609301103
Abstract


Kontakt:
Alexandra Katzer
Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung
Österreichische Akademie der Wissenschaften
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A-1160
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