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Bericht von Generalsekretär Herbert Mang
Feierliche Sitzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
am 14. Mai 2003
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Hohe Festversammlung!
War es der Gegensatz zwischen dem fröhlichen Treiben in der Aula des Akademiegebäudes
und den ernsten Häuptern der dort befindlichen Gelehrtenbüsten, der ihre Gesichtszüge
noch ernster als sonst erscheinen ließ? Missbilligung des löblichen Tuns zu vorgerückter
Stunde durch die stummen Zeugen vermeinte man nicht zu spüren, eher schon einen Anflug
von Wehmut, an der Freude der versammelten Nachwuchsforscher und -forscherinnen,
ihrer Angehörigen sowie einiger tapfer ausharrender Akademiemitglieder bloß als steinerne
Gastgeber teilhaben zu können. Anlass zur Freude bot die vorangegangene Stipendienverleihung
im Rahmen der Feier zum Zehnjahresjubiläum von APART, dem Austrian Programme for
Advanced Research and Technology.
APART ermöglichte die Förderung von bisher insgesamt 173 Stipendiaten und Stipendiatinnen,
deren Anträge vom Vergabekomitee der ÖAW nach strenger internationaler Begutachtung aus
insgesamt 854 Ansuchen ausgewählt wurden. Mehr als 80 % der mit einem APART-Stipendium
Ausgezeichneten erwarben die Venia Docendi noch vor Ablauf der Stipendiendauer bzw. innerhalb
des ersten Jahres danach. Im Berichtszeitraum erhielten 16 Nachwuchsforscher und -forscherinnen
APART-Stipendien und eine Forscherin ein APART-EXTRA Stipendium, bei dessen Vergabe
besondere Lebensumstände berücksichtigt werden. Ferner wurden 49 Doktorandenstipendien
vergeben. Schließlich erhielten drei Doktorandinnen sogenannte DOC-FFORTE Stipendien.
Das Akronym FFORTE steht dabei für "
Frauen in Forschung und Technologie
", eine vom
Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur sowie dem Europäischen Sozialfonds
finanzierte Initiative zur Unterstützung junger Wissenschaftlerinnen aus den Bereichen Technik,
Medizin und Biowissenschaften sowie Mathematik und Naturwissenschaften. Die Akademie dankt
dem genannten Ministerium, dem Rat für Forschung und Technologieentwicklung, der Stadt Wien
und dem Europäischen Sozialfonds für die budgetäre Ausstattung, die nicht nur eine attraktive
Förderung, sondern auch den weiteren Ausbau der erwähnten Stipendienprogramme der ÖAW
mit dem Ziel ermöglicht, die von Anfang an anvisierte Zahl von 60 APART- und 100 DOC-Stipendien
pro Jahr in absehbarer Zeit zu erreichen.
Die Rolle der Akademie als eine der bedeutendsten und ältesten österreichischen Institutionen auf
dem Gebiet der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses manifestiert sich nicht zuletzt in
dem von der Max-Kade-Foundation bereits über mehrere Dezennien finanzierten Post-Doc
Programm, aus dem im Jahre 2002 zwölf Stipendien aus den Bereichen Medizin, Naturwissenschaften
und Technik vergeben wurden. Die Österreichische Akademie der Wissenschaften dankt der Stiftung
und ihrem Präsidenten Dr. Hans Hachmann für die großzügige Förderung österreichischer
Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen.
Die Vergabe von Stipendien zur Unterstützung des
wissenschaftlichen Nachwuchses ist eine
wirkungsvolle
Maßnahme zur Erfüllung des gesetzlichen
Auftrags der Akademie, "
die
Wissenschaft
in jeder Hinsicht zufördern
".
Bei einer solchen Stipendienausschüttung
handelt es sich um eine
Investition in die Zukunft
Österreichs, deren Ertrag in seiner Wirksamkeit
unbestritten ist. Schwerer
quantifizierbar ist die
Förderung der Wissenschaft durch Verbreitung von
Forschungsergebnissen, um
die sich die
Österreichische Akademie der Wissenschaften seit
mehreren Jahren verstärkt bemüht.
Sie tut
dies insbesondere im Rahmen von Vortragsreihen, mit
denen sie sich an eine breite, an
wissenschaftlichen
Themen interessierte Öffentlichkeit wendet. Nach
den Forschungsbereichen Biologie
und Physik, die in
den Mendel Lectures und den Karl-von-Frisch Lectures
bzw. den Schrödinger
Lectures präsentiert
wurden, stehen derzeit Themen der Mathematik auf dem
Programm. Sie werden
in den überaus
erfolgreichen Gödel Lectures behandelt. Ab
Herbst dieses Jahres wird der weite Bereich
der
Technischen Wissenschaften im Mittelpunkt einer neuen
Vortragsreihe stehen. Unter dem Titel Viktor
Kaplan
Lectures wird der Bogen von der Entwicklung moderner
Wasserturbinen bis hin zur Konstruktion
von Robotern
sowie von Fragen der Tragwirkung von
Baukonstruktionen über neue Werkstoffe bis hin
zu
Problemen der Codierung und Kryptographie gespannt
werden.
Die beiden referierten Arten der
Wissenschaftsförderung durch die ÖAW
betrafen das klassische
Förderinstrumentarium
von Gelehrtengesellschaften. Dieses gestattet die
Förderung der Wissenschaft in
mancherlei
,
bei weitem aber nicht
in jeder Hinsicht
.
In ganz anderer Weise wird diesem gesetzlichen
Auftrag durch Forschung in dafür vorgesehenen
Einrichtungen der Akademie entsprochen. Diese
Forschungsinstitutionen stehen unter dem besonderen
Schutz des Bundes. Die Überprüfung ihrer
Schutzwürdigkeit erfolgt durch Evaluationen der
Forschungsleistungen im Rahmen des Mittelfristigen
Forschungsprogramms 2001 - 2005. Dabei handelt es
sich bereits um den zweiten Evaluationszyklus.
Unterteilt in 13 Fachbereiche, werden die Institute,
Forschungsstellen und Kommissionen der ÖAW
durch
unabhängige ausländische Experten
begutachtet. Die Akademie setzt damit einen Prozess
der
Forschungsplanung fort, der als offener und
nachvollziehbarer Vorgang der
Entscheidungsvorbereitung
und Qualitätssicherung
bereits im Jahre 1995 initiiert wurde. Im Jahre 2002
wurden die Fachbereiche
Teilchenphysik und
Mathematik, Informationswissenschaften sowie
Geschichte Europas bis um 1500
einer internationalen
Beurteilung unterzogen.
Einer von mehreren Indikatoren der Qualität der
Forschungseinrichtungen der ÖAW ist das
Ausmaß
ihrer Beteiligung an den
EU-Rahmenprogrammen. Derzeit werden 40 Projekte an 13
Forschungseinrichtungen
der ÖAW durch die
Europäische Kommission mitfinanziert. Insgesamt
wurden 95 Anträge an die Europäische
Kommission gestellt. Hervorzuheben sind fünf
Beteiligungen als Koordinatoren von EU-Projekten,
davon
zwei am Institut für Alternsforschung in
Innsbruck sowie je eine an den Instituten für
Weltraumforschung in
Graz, Stadt- und
Regionalforschung in Wien und Biophysik und
Röntgenstrukturforschung wiederum in
Graz. Mit
einer Erfolgsquote von 42% liegt die ÖAW sowohl
im Vergleich mit anderen österreichischen
Forschungseinrichtungen als auch im europaweiten
Vergleich im Spitzenfeld. Die von den
Forschungs-
institutionen der Akademie in Brüssel
eingeworbenen Rückflussgelder entsprechen rund
17% der
insgesamt pro Jahr eingeworbenen Drittmittel.
Wie das Präludium einer Pièce, deren
einzelne Sätze Berichte über den
Fortschritt von Bauprojekten der
Akademie darstellen,
empfinde ich retrospektiv meinen bautechnischen
Kommentar zu dem von Peter
Breughel dem Älteren
im Jahre 1563 gemalten Bild "
Der Turmbau zu Babel
"
in einer sogenannten
künstlerisch-wissenschaftlichen Veranstaltung
der ÖAW am Tage meiner Wahl zum
Generalsekretär
vor acht Jahren. Diese
Veranstaltung stand unter dem Motto "
Mit
Augen und Ohren
", - in meinem Fall
mit den Augen und Ohren eines
Ingenieurwissenschaftlers. Was lag da näher, als
das zu den Apokryphen
zählende Buch der
Jubiläen zu bemühen, in dem über
technische Details des erwähnten Turmbaus
berichtet wird: "
Und sie bauten den Turm",
heißt es dort, "
vierzig Jahre und drei Jahre bauten sie
ihn;
Ziegel in der Breite waren 203 an ihm, und die
Höhe eines Ziegels war das Drittel von
einem. 5433 Ellen stieg seine Höhe empor und
2 Handbreiten und 13 Stadien
."
Auf solche
Einzelheiten kann ich mich im folgenden
Kurzbericht über die rege Bautätigkeit der
Akademie freilich
nicht einlassen. Umso mehr liegt
mir daran, dass Sie, sehr geehrte Damen und Herren,
dieses Haus
nicht ohne ein Minimum an Information
über das gleichermaßen umfangreiche und
anspruchsvolle
Baugeschehen in der ÖAW
verlassen.
Im Berichtszeitraum setzte die Akademie die
Bemühungen, ihren Forschungseinrichtungen
adäquate
Arbeitsräume zur Verfügung zu
stellen, intensiv in Planung und Ausführung
fort. Ein deutliches
Zeichen für den baldigen
Beginn des Neubaus im Vienna Biocenter für
das
Institut für Molekulare
Biotechnologie
und
das Gregor-Mendel-Institut für
Molekulare Pflanzenbiologie
ist der für
4. Juni dieses Jahres anberaumte
feierliche Spatenstich. Trotz der Komplexität
des Vorhabens sind
Planung und Ausschreibung so weit
gediehen, dass demnächst mit dem Bau begonnen
werden kann.
Für den Neubau des
Laborgebäudes zur Unterbringung des
Forschungszentrums für Molekulare
Medizin, das
als Superädifikat auf dem Areal des Allgemeinen
Krankenhauses der Stadt Wien
errichtet wird, wurde
die Baubewilligung vor wenigen Wochen erteilt. Die
für den Baubeginn
benötigten finanziellen
Mittel wurden allerdings noch nicht freigegeben. Das
Raum- Funktionskonzept
enthält Pläne
für die Schaffung moderner molekular- und
zellbiologischer sowie proteinchemischer
Laboratorien, die in spezielle Funktionsbereiche
gegliedert sind.
In Innsbruck wurde der Zu- bzw. Umbau des
Instituts
für Biomedizinische Alternsforschung
im Beisein von Herrn Landeshauptmann Dr. Herwig van
Staa und Frau Bürgermeisterin Hilde
Zach nach
nur zehnmonatiger Bauzeit seiner Bestimmung
übergeben. Für das neu
gegründete
Institut für Quantenoptik
und Quanteninformation
wurden in einem vor wenigen Tagen
begonnenen Neubau
auf dem Gelände der naturwissenschaftlichen
Fakultät der Universität Innsbruck
Räume angemietet.
Trotz der äußerst schwierigen
budgetären Situation der Bundesbaudienststellen
wurden die
Generalsanierungsarbeiten im Alten
Universitätsviertel, in nächster Nähe
des Hauptgebäudes
der ÖAW, fortgesetzt.
Eine erfreuliche Perspektive für die nahe
Zukunft eröffnet der Baubeginn für die
Galerie der
Forschung
.
Noch in diesem Jahr soll der Umbau der alten Aula
mit dem Saal des ehemaligen
Jesuitentheaters in
Angriff genommen werden. Mit der Galerie der
Forschung wird im Zentrum
Wiens ein Ort geschaffen,
an dem Erkenntnisse, Erfolge, Fragen und Leistungen
der Wissenschaft
präsentiert, dokumentiert und
diskutiert werden sollen.
Die Finanzierung der Bautätigkeit der ÖAW
ist dem Ermessen politischer Instanzen in Bund und
Ländern anheim gestellt. Überhaupt sind es
Ermessenkredite des Bundes, aus denen die Akademie
den weitaus überwiegenden Anteil ihrer
Aufwendungen bestreitet. Die Übersetzung
wissenschafts-
politischen Ermessens in eine
angemessene finanzielle Dotierung der ÖAW
obliegt der mit akademie-
spezifischen Details des
Budgetvollzugs befassten Beamtenschaft, innerhalb der
im Berichtszeitraum
ein großer Wechsel
stattgefunden hat. Mit dem Begriff
Ermessen
wird hierzulande vielfach die
Vorstellung von Huld
verbunden. Wer bei dieser Begriffskombination nicht
Dankbarkeit für Herrn
Sektionschef Dr. Raoul
Kneucker empfindet, wer seine Huld und das Wohlwollen
der mit ihm aus
dem aktiven Dienststand
ausgeschiedenen Mitarbeiter vergessen kann,
"...
den seh´ man mit
Verachtung an
",
wie es im Schluss-Vaudeville von Mozarts Singspiel
"
Die Entführung aus dem
Serail
"
heißt. Indikatoren der Übernahme dieses
der Akademie stets entgegengebrachten
Wohlwollens
durch Frau Sektionschefin Mag. Barbara Weitgruber,
der Nachfolgerin Dr. Kneuckers,
werden hierorts
dankbar registriert.
Sehr geehrte Anwesende!
"
Das Endziel der Naturwissenschaften besteht darin
",
so der Berliner Physiker und Physiologe
Hermann von
Helmholtz, Ehrenmitglied der Kaiserlichen Akademie
der Wissenschaften in Wien,
"
die allen Veränderungen zugrunde liegenden
Bewegungen und deren Triebkräfte zu finden,
also
sich in Mechanik aufzulösen
."
Heute würden wir wohl sagen: in Mechanik im
weiteren Sinn.
Nichtsdestoweniger ist sie nach Leonardo da Vinci
"..... das Paradies der mathematischen
Wissenschaften, weil man mit ihr zur schönsten
Frucht des mathematischen Wissens gelangt
."
Einen Baum der wissenschaftlichen Erkenntnis, der
solche Frucht hervorbringen soll, hat die
Österreichische Akademie der Wissenschaften mit
der zu Beginn dieses Jahres erfolgten Errichtung
des
Johann Radon Institute for Computational and Applied
Mathematics, abgekürzt RICAM, in
Linz gepflanzt.
Entscheidend für die Standortwahl waren sehr
gute Voraussetzungen für die
Entwicklung des
neuen Instituts zu einer Spitzeneinrichtung der
internationalen mathematischen
Forschung. Über
dieses Institut und eine weitere
Forschungseinrichtung wird im Folgenden in
gebotener
Kürze exemplarisch für die Tätigkeit
der mathematisch-naturwissenschaftlichen
Klasse im
Berichtszeitraum referiert.
Zum geschäftsführenden Direktor von RICAM
bestellt wurde das wirkliche Mitglied Heinz Engl
und
zu stellvertretenden Direktoren die Professoren
Ulrich Langer und Peter Markowich. Das
Institut
besteht aus mehreren Abteilungen, in denen
anwendungsorientierte Grundlagenforschung
betrieben
wird. Dabei handelt es sich um die Abteilung
für:
-
Numerische Methoden für partielle
Differentialgleichungen (Leiter: Ulrich Langer)
-
Symbolisches Rechnen (Bruno Buchberger)
-
Finanzmathematik (Walter Schachermayer und
Gerhard Larcher)
-
Analysis partieller Differentialgleichungen
(Peter Markowich)
Ab Herbst 2004 wird es am RICAM Spezialsemester zu
Anwendungsthemen aus dem Bereich
der Natur- und
Ingenieurwissenschaften geben. Fachleute des
jeweiligen Anwendungsgebietes aus
dem In- und Ausland
werden dazu für einige Monate an das Linzer
Institut geholt werden.
Das Forschungszentrum für Molekulare Medizin,
abgekürzt CeMM, wurde im Jahre 2000 als
GmbH der
ÖAW gegründet. Ziel des CeMM ist es, durch
krankheitsorientierte interdisziplinäre
Grundlagenforschung die molekularen Ursachen von
Erkrankungen des Menschen zu ergründen
und
darauf basierend innovative diagnostische und
therapeutische Strategien zu entwickeln und
zu
prüfen. In der initialen Phase des zu Beginn
dieses Jahres aufgenommenen wissenschaftlichen
Betriebs sind acht Forschergruppen am CeMM
tätig. Die von ihnen eingereichten
Projektanträge
wurden vom Wissenschaftlichen
Beirat des Zentrums geprüft und von einem aus
internationalen
Experten zusammengesetzten Scientific
Advisory Board einem Peer - Review Verfahren
unterzogen.
Das Auswahlverfahren zur Bestellung eines
renommierten Wissenschaftlers zum
geschäftsführenden
Direktor des CeMM im
Wege einer internationalen Ausschreibung ist zur Zeit
im Gang. Die
Österreichische Akademie der
Wissenschaften dankt dem derzeitigen Direktor,
Professor Dieter
Maurer, der aus persönlichen
Gründen von einer Bewerbung Abstand genommen
hat, für die
kompetente und engagierte
Aufbauarbeit in den vergangenen drei Jahren.
Sehr geehrte Damen und Herren!
Im Laufe meiner nunmehr zu Ende gehenden
achtjährigen Tätigkeit als
Generalsekretär der
Österreichischen
Akademie der Wissenschaften und Sekretär ihrer
mathematisch-
naturwissenschaftlichen Klasse habe ich
in acht Feierlichen Sitzungen, ungefähr 55
Sitzungen der
Gesamtakademie und rund ebenso vielen
Sitzungen der erwähnten Klasse berichtet. Dabei
waren
mir, wie auch bei anderer Gelegenheit
ausgeführt, Informationswert und Genauigkeit der
Berichterstattung Anliegen, vor allem aber ging es
mir um die Relevanz der jeweiligen Berichtsmaterie
für die Weiterentwicklung der ÖAW in
Richtung optimaler Synthese von traditioneller
Gelehrten-
gesellschaft nach Art der Royal Society bzw.
der British Academy und moderner
Trägerorganisation
von Forschungseinrichtungen
nach dem Vorbild der Max-Planck-Gesellschaft.
In der Möglichkeit, diesen für die
Wissenschaft in unserem Lande bedeutsamen
Optimierungsprozess
von großer Tragweite
mitzugestalten, sah ich den tiefsten Sinn der
Ausübung der Funktion des
Generalsekretärs
der Akademie. Loyalität, Kompetenz,
Einsatzfreudigkeit und Begeisterungsfähigkeit
meiner Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowohl in der
Akademie als auch an der Technischen
Universität
Wien und nicht zuletzt das große
Verständnis meiner lieben Frau erlaubten es mir,
die umfangreichen Aufgaben in der ÖAW bei
Aufrechterhaltung der eigenen
Forschungstätigkeit und
Ausübung der
Funktion des Vorstands eines relativ großen
Universitätsinstituts wahrzunehmen.
Bei der zuvor angedeuteten Gelegenheit bin ich
abschließend auf das Gedicht zu sprechen
gekommen, das Franz Grillparzer, Akademiemitglied der
ersten Stunde, anlässlich der
1857 erfolgten
Übersiedlung der Akademie vom Polytechnischen
Institut am Karlsplatz in dieses
Haus verfasst hat,
wie der Festschrift "
150 Jahre
Österreichische Akademie der Wissenschaften"
zu entnehmen ist. "
Man sucht euch eine Wohnung aus.
Wer doch eine gleiche hätte
;" rühmt
der Dichter zu Beginn des Vierzeilers
die Einzigartigkeit des Sitzes der Akademie. In den
beiden
letzten Zeilen kommt jedoch die auf leidvoller
Erfahrung beruhende Skepsis des ein Jahr zuvor im
Alter von 65 Jahren als Direktor des Hofkammerarchivs
in den Ruhestand getretenen altösterreichischen
Beamten mit 41 Dienstjahren zum Vorschein, wenn es
dort heißt: "
Die Wissenschaft hat nun ein
Haus;
Doch hat sie d(a)rum eine Stätte
?"
Dass ich als Generalsekretär zum weiteren
Ausbau der mit
diesem Haus verbundenen Institution zu
einer Österreich zur Ehre gereichenden
zeitgemäßen Stätte der
Wissenschaft
beitragen durfte, erfüllt mich mit Dankbarkeit.
Fassen Sie es, sehr geehrte Damen und
Herren, als
Ausdruck dieser Dankbarkeit auf, wenn ich meine
Ausführungen mit den Worten schließe,
die
dem allerhöchsten Dienstherrn des k. k. Hofrats
Franz Grillparzer zugeschrieben werden:
"
Es war
sehr schön, es hat mich sehr gefreut
."
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