Egon Wellesz (21. 10. 1885 - 09. 11. 1974) ist eine jener Persönlichkeiten, die auf mehreren Gebieten zu den wichtigsten Vertretern der österreichischen Kulturgeschichte zählen. Als Komponist ist er einer der wenigen, die der international anerkannten "klassischen Moderne" zuzurechnen sind, wobei er als Schüler Arnold Schönbergs Elemente der Avantgarde der 20er Jahre einer Synthese mit der großen österreichischen Tradition zuführte. In der Zwischenkriegszeit fanden in Österreich und Deutschland zahlreiche Aufführungen seiner Kompositionen statt. Nach der Emigration 1938 komponierte er vor allem symphonische und kammermusikalische Werke. Zwischen 1945 und 1972 schrieb Wellesz neun Symphonien.
Daneben gilt Egon Wellesz auf dem Gebiet der historischen Musikwissenschaft sowie auf dem Gebiet der musikwissenschaftlichen Byzantinistik als einer der ganz Großen Österreichs. Er lehrte an der Wiener Universität, wobei seine Spezialgebiete die Barockoper und die byzantinische Musik wurden. Mit der Entzifferung der mittelbyzantinischen Notenschrift gelang ihm eine der bedeutendsten musikwissenschaftlichen Leistungen in diesem Fachbereich.
Die Ereignisse des Jahres 1938 bedeuteten für Egon Wellesz einen schmerzlichen Bruch seines Lebensweges. Er mußte sich am Lincoln College der Universität Oxford (die ihm bereits 1932 das Ehrendoktorat verliehen hatte) eine zweite Existenz aufbauen. Durch die räumliche Entfernung von der Heimat verloren sich manche Bindungen, die sowohl den Komponisten als auch den Musikwissenschaftler betrafen.
Im Zusammenhang mit der Ausstellung steht die Publikation eines von Wellesz im Jahre 1963 in Hamburg gehaltenen Vortrages über die byzantinische Musik sowie die Uraufführung seiner dritten Symphonie durch die Wiener Philharmoniker am 29. und 30. April 2000 im Großen Saal der Gesellschaft der Musikfreunde.