„Geist und Seele sind in genau der nämlichen
Weise Objekte der wissenschaftlichen Forschung wie irgendwelche menschenfremde
Dinge. (...)“ (Freud 1933)
Das Konzept dieser Tagung entstand aus der breitangelegten,
interdisziplinären Grundlagenforschung der Psychoanalytikerin und
Philosophin Univ.-Doz. Dr. Patrizia Giampieri-Deutsch über die Theorie
des Mentalen in der Psychoanalyse im Rahmen einer Hertha Firnberg-Stelle
(vergeben vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung,
FWF, im Auftrag des BM für Bildung, Wissenschaft und Kultur) für
Nachwuchswissenschaftlerinnen. Die diesjährige Arbeitstagung, an der
WissenschaftlerInnen aus dem Kontinentaleuropäischen Raum teilnehmen,
ist die erste Veranstaltung einer dreiteiligen Reihe. Die beiden weiteren
sind für Dezember 2001 (angloamerikanische Forschung) und Dezember
2002 (Auswahl aus beiden Bereichen) vorgesehen.
Die ForscherInnen und PsychoanalytikerInnen werden
in Originalbeiträgen die Spezifität der psychoanalytischen empirischen
Forschung präsentieren und die neuesten Ergebnisse der Auseinandersetzung
und der Zusammenarbeit der Psychoanalyse mit der experimentellen Forschung
zeigen. Es wird ein neues avanciertes Bild der Psychoanalyse sichtbar,
das gleichzeitig tief im interdisziplinären Denken Freuds verwurzelt
ist, der in der psychoanalytischen Theorie des Mentalen Philosophisches,
Psychologisches und Neurowissenschaftliches verdichten konnte. In einer
späteren Ausgabe (1919) der
Traumdeutung würdigte Freud
den Wiener Kollegen Otto Plötzl, der durch subliminiale Stimulation
(eine noch heute in psychoanalytischen Laboratorien angewandte Methode)
unbewußte Phänomene außerhalb der analytischen Situation
experimentell zu untersuchen versuchte. Die psychoanalytische Therapieforschung
wurde in den 40er und 50er Jahren an der Menninger Klinik in Topeka (Kansas)
durch den Beitrag emigrierter Wiener forciert. In dieser Klinik entwickelten
sich in weiterer Folge psychoanalytische Denker wie z. B. Otto Kernberg.
Die Spezifität - keine Verwässerung der
psychoanalytischen Begriffe - und die Vielfältigkeit - die kreativen
research designs - der psychoanalytischen empirischen Forschung wird durch
die Präsentation von Forschungsausschnitten (z. B. die Affektforschung
von Rainer Krause, die kognitionswissenschaftlich-psychoanalytische Gedächtnisforschung
von Marianne Leuzinger-Bohleber und Rolf Pfeifer, die Prozeßforschung
von Erhard Mergenthaler und Friedemann Pfäfflin) plastisch dargestellt.
Ein weiteres Ziel der Tagungen ist der Dialog der
Psychoanalyse mit der analytischen Philosophie des Geistes, die nach dem
„mentalistic turn“ selbst um Bausteine einer Theorie des Mentalen ringt
und mit großer Aufmerksamkeit die Ergebnisse der empirischen Forschung
verfolgt und zu integrieren versucht.
Obwohl die psychoanalytische empirische Forschung
weltweit vernetzt ist, hebt die Einteilung in kontinentaleuropäische
und in angloamerikanische Forschung für den ersten bzw. für den
zweiten Teil und in eine gemischte Auswahl von kontinentaleuropäischen
und angloamerikanischen WissenschaftlerInnen bestimmte regionale Haltungen
gezielt hervor.