Warum gibt es Materie?

Vom 3. - 7. Oktober 2000 tagen die am Experiment NA48 beteiligten Physiker in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW)

Bei der Entstehung des Universums, beim sogenannten Urknall, wurde nach dem heutigen Stand der Wissenschaft ebensoviel Antimaterie wie Materie erzeugt. Wieso haben sich aber nicht sehr rasch alle Teilchen und Antiteilchen gegenseitig vernichtet, wie dies normalerweise beim Zusammentreffen solcher Partner beobachtet wird? In diesem Fall gäbe es keine Materie, und damit auch keine Physiker, die sich über solche Fragen den Kopf zerbrechen könnten! Ein wesentliches Element zur Klärung dieses Rätsels ist die sogenannte "CP-Verletzung", ein nicht ganz einfach zu erklärendes Konzept in der Physik der Elementarteilchen.

Vom 3. bis zum 7. Oktober 2000 findet in der ÖAW die vom Institut für Hochenergiephysik organisierte Jahresversammlung der NA48-Kollaboration statt. Das Experiment NA48 befindet sich am Europäischen Teilchenbeschleuniger CERN in Genf und hat sich die genaue Messung der sogenannten "direkten CP-Verletzung" zum Ziel gesetzt.

Auch die Frage, ob alles, was um uns herum vorgeht, durch vier oder aber durch fünf grundlegende Wechselwirkungen bestimmt wird, konnte vom Experiment NA48 zugunsten der kleineren Zahl beantwortet werden: neben den allgemein bekannten Wechselwirkungen der Gravitation (Schwerkraft) und des Elektromagnetismus beobachtet man auf dem Niveau der Atomkerne und Elementarteilchen auch noch die sogenannte "starke" und "schwache Wechselwirkung". Die bei der Entdeckung der CP-Verletzung ursprünglich zu ihrer Erklärung postulierte Existenz einer "superschwachen Wechselwirkung" konnte aber durch die viel genaueren Messungen des Experimentes NA48 widerlegt werden. Es wurde gezeigt, daß die Meßdaten tatsächlich durch die alternative Theorie des sogenannten "Standardmodells" beschrieben werden.

Seit 1997 werden jeden Sommer am CERN in Genf Daten genommen. Zahlreiche Ergebnisse wurden bereits veröffentlicht und bei internationalen Konferenzen präsentiert. Im Jahr 2001  wird die Datennahme zur Messung der CP-Verletzung abgeschlossen. Beim Treffen der Kollaborationspartner in Wien werden Analysen der neuen Daten intern präsentiert und verglichen und der weitere Verlauf der Datenanalyse besprochen.
 
 


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Letzte Änderung: 09.10.2000 12:24