Aktuelle Trends in Forschung, Entwicklung und Anwendung von Teilchenbeschleunigern stehen im Mittelpunkt der 7th European Particle Accelerator Conference (EPAC) 2000, einer der Hauptkonferenzen der Europäischen Physikalischen Gesellschaft (EPG), die in der letzten Juni-Woche erstmals in Wien (Austria Center Vienna) stattfindet. Organisiert wird die Konferenz, zu der 800 Teilnehmer aus aller Welt erwartet werden, vom Institut für Hochenergiephysik der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW).
In Beschleunigern werden die kleinsten (freien) Teilchen der Materie (Protonen, Antiprotonen, Elektronen, Positronen, Atomkerne, etc.) auf entsprechend hohe Energien beschleunigt, um damit Experimente auf den verschiedensten Gebieten der Naturwissenschaft zu ermöglichen. Neueste technische Entwicklungen und künftige Konzepte der verschiedenen Arten von Beschleunigern und Kollisionsmaschinen (Kreisbeschleuniger und kreisförmige Speicherringe - erstere auch für Synchrotronstreuung und Neutronenquellen sowie Radioonkologie-Anwendungen - Linearbeschleuniger sowie die zukünftigen linearen Kollisionsmaschinen) werden im Rahmen der EPAC 2000 präsentiert und diskutiert.
Breiter Raum ist den vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von Beschleunigern gewidmet. In der Teilchenphysik werden weltweit nicht einmal 10 Prozent aller Beschleuniger eingesetzt, obwohl diese wegen ihrer spektakulären Größe die weitaus bekanntesten sind. Das Programm der EPAC umfaßt daher auch Beiträge über die Anwendung von Beschleunigern in der Medizin, die Anwendung der Neutronenstreuung in der Materialforschung, der Synchrotronstreuung in der Biologie sowie einen Beitrag über den Umweltbeschleuniger VERA (Vienna Environmental Research Accelerator).
Ein wesentlicher Schwerpunkt ist die „Industrial Exhibition“, bei der rund 40 Firmen aus aller Welt ihre Produkte präsentieren. Als Rahmenprogramm ist weiters eine Plenarsession über industrielle Anwendung von Beschleunigern sowie, erstmals in Wien, ein Treffen der Entscheidungsträger der wichtigsten Laboratorien der Welt mit Vertretern der Industrie zu Fragen wie Verträge, Patente, Urheberrechte vorgesehen.
SchwerpunktMedizin
Im Anschluß an die EPAC 2000 findet am 1. Juli an der TU Wien ein Meeting über Medizinbeschleuniger statt. Die führenden Forscher auf dem Gebiet der Medizinbeschleuniger werden dabei mit den Medizinern der beiden Ionentherapiezentren HIMAC (Japan) und GSI Darmstadt / DKFZ Heidelberg sowie mit österreichischen Radioonkologen zusammentreffen. Durch Protonen- und Leichtionen können etwa Tumore punktgenau bestrahlt werden, ohne daß das umliegende Gewebe unnötig geschädigt wird. Besonders wirksam ist diese Art der Therapie bei Tumoren, die in unmittelbarer Umgebung von empfindlichen Organen liegen. Auch bei manchen strahlenresistenten Tumoren gibt es Hoffnung.
Das
IMMAC 2000 (International Meeting on Medical Accelerators 2000) wird gemeinsam
mit dem Atominstitut der TU Wien, der Universitätsklinik für
Strahlentherapie und Strahlenbiologie Wien sowie dem Verein AUSTRON veranstaltet.