Das Zusammenwohnen von In- und Ausländern schafft
Probleme. Oder: Gemischtethnisches Wohnen fördert das Verständnis
für unterschiedliche Lebensweisen und Kulturen. Beides klingt plausibel.
Doch was trifft zu? Die Diskussion wird äußerst kontroversiell
geführt, wobei Ängste und weltanschauliche Positionierungen eine
erhebliche Rolle spielen und objektiven Fakten vielfach nicht ausreichend
Beachtung geschenkt wird.
Das Institut für Stadt- und Regionalforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, das sich in seiner Forschungstätigkeit seit Jahren mit Migrationsfragen auseinandersetzt, veranstaltet in Kooperation mit dem Bundesministerium für Wissenschaft und Verkehr und dem Wiener Integrationsfonds eine Fachtagung zum Thema "Segregiertes Wohnen – Gefahr oder Chance?". Die Tagung ist Teil einer Veranstaltungsreihe des Forschungsschwerpunktes "Fremdenfeindlichkeit – Erforschung, Erklärung, Gegenstrategien" des Bundesministeriums für Wissenschaft und Verkehr, an dem das Institut für Stadt- und Regionalforschung beteiligt ist.
Probleme des Zusammenwohnens und des Zusammenlebens von Inländern und Zuwanderern stehen im Mittelpunkt der Tagung. Der Wohnbereich stellt neben der Arbeitswelt einen zentralen Bereich der Integration dar. Durchmischung im Wohnbereich fördert die Kontaktchancen zwischen Menschen unterschiedlicher Schichtzugehörigkeit und ethnischer Herkunft. Segregation bedeutet hohe Konzentrationen von ausländischer Wohnbevölkerung in bestimmten Bezirken, Wohnvierteln und Häusern. Sie kann zu einer Zusammenballung sozialer Probleme in bestimmten städtischen Teilgebieten führen.
Wie in den meisten europäischen Großstädten wird auch in Wien bereits seit Jahren eine heftige Diskussion um die Nachteile räumlicher Konzentrationen von MigrantInnen in bestimmten Stadtbezirken geführt. Ebenso heftig ist die Debatte um geeignete Strategien zu einer Abschwächung von Segregation. Die Vorschläge reichen von der Öffnung bislang für Zuwanderer verschlossener Bereiche des Wohnungssektors bis zu experimentellen Wohnbauprojekten, die auf einen interkulturellen Mix unter den Bewohnern abzielen. Wissenschaftliche Befunde werden leider nur selten zur Orientierung herangezogen. Diese sind für Österreich auch erst in begrenztem Ausmaß vorhanden. Eine längere Tradition besitzt die Auseinandersetzung mit der Situation von Ausländern im Wohnbereich aber in deutschen Städten, weshalb neben österreichischen vor allem deutsche Experten (SozialwissenschaftlerInnen, Ausländerbeauftragte, GebietsbetreuerInnen, StadtplanerInnnen, u.a.) in die Veranstaltung eingebunden sind.
Die Tagung wendet sich an Interessenten aus dem wissenschaftlichen Bereich ebenso wie aus den Bereichen Wohnungsmarkt und Wohnungswesen, AusländerInnenberatung, Stadtplanung sowie an wohnpolitische EntscheidungsträgerInnen.
DDr. Josef Kohlbacher, Mag. Ursula Reeger
Institut für Stadt- und Regionalforschung der ÖAW,
1010 Wien, Postgasse 7/4/2
Tel (01)51581-525 od. 527