Literatur – Gedächtnis – Erinnerung.

Eine internationale Tagung des Literaturwissenschaftlichen Komitees Österreich-Ungarn der Österreichischen Akademie der Wissenschaften:

"Literatur und Gedächtnis".


Zeit: 24. und 25. September 1999,

Ort: 1010 Wien, Sonnenfelsgasse 19 (Theatersaal der ÖAW).


Kurzbeschreibung:

Die Geschichts- bzw. Kulturwissenschaft diskutiert seit einigen Jahren, was in der Literaturtheorie in der Auseinandersetzung mit der Form moderner Literatur schon länger Allgemeingut ist: Wie wird "Erinnerung", wie wird "Gedächtnis" eigentlich überhaupt aufgebaut?

Zur Herausbildung bzw. Aktualisierung von "Gedächtnis" gehört ein Netz von (alltagsweltlichen) "Fakten" bzw. Erinnerungsweisen, die erst sozial (und nicht von einem Einzelnen) vorgegeben werden. "Gedächtnis" bildet sich also in unterschiedlichen sozialen (und ethnischen) Gruppen unterschiedlich heraus und wird zum tragenden Bestandteil für die "Konstruktion" von (kollektiven) Identitäten.

In Zeiten mit markanten sozial-politischen Umbrüchen, wie in den vergangenen 70 Jahren, wurde Erinnerung immer wieder (auch politisch motiviert) neu vorgegeben, d.h. man erinnerte sich beispielsweise an ein und dasselbe Geschehen auf eine unterschiedliche, zuweilen differenzierte Art. "Gedächtnis" wurde durch solche Erinnerungsweisen immer wieder neu aufgeladen.

Hauptanliegen der Tagung ist es, diesen unterschiedlichen Erinnerungsweisen in der zentraleuropäischen Region nachzugehen und zu fragen, welche Spuren diese unterschiedlichen, sich rasch verändernden Erinnerungsformen in der Literatur und in der Historiographie hinterlassen haben.
 
 
Tagungsprogramm
 
Freitag, 24.9.1999:
    9 Uhr 30:  Moritz Csáky (Wien): Eröffnung
10 Uhr: Kristóf Nyiri (Budapest): Kommunikation und Nationalgedächtnis
Diskussion.
11 Uhr 30: Impulsreferate:
Gabriela Kilianová (Bratislava): Der vergessene Krieg. Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg in der oralen Tradition Zentraleuropas
Tamás Hofer (Budapest): Kumulatives Gedächtnis: Historische Leitbilder in Budapest 1956 und 1989.
Diskussion.
14 Uhr 30: Mitchell Ash (Wien): Geschichtswissenschaft, Geschichtskultur, tradierte Erinnerung ...
15 Uhr 30: Impulsreferate:
Richard Reichensperger (Wien): Gedächtnis und Moderne: Die Neubelebung barocker Allegorie in Paris und in Wien
Heidemarie Uhl (Graz): Gedächtnis im sozialen Raum: Denkmäler als Medien österreichischer Geschichtspolitik in der Zweiten Republik
Diskussion.
17 Uhr:  Leslie Bodi (Melbourne/Australien): Literatur und DDR-Vergangenheit
Miklós Szabolcsi (Budapest): Kollektive Identitäten in komplexen kulturellen Systemen
 
Samstag, 25.89.1999:
  9Uhr: Impulsreferate:
István Fried (Budapest): Kleinstadt in der Monarchie als kulturelles und/oder literarisches Gedächtnis in Ost-Mitteleuropa
Péter Varga (Budapest): Einheit in der Vielfalt – Vielfalt in der Einheit: Juden und Judentum in der Monarchie
Alfred Doppler (Innsbruck): George Saikos "Auf dem Floß": Literatur als Reflex und Produzent von Erinnerung 
Diskussion
11 Uhr 45:  Ulrich Schulz-Buschhaus (Graz): Strategien der Erinnerung und Strategien des Vergessens in der Literatur der Moderne
Diskussion. 


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Letzte Änderung: 09.09.1999 17:49