Wien / Graz, 13. Juli 1999

Grazer Forscherteam analysiert "Fingerabdruck" von Erdbeben


Zu Ostern 1998 kam es im Gebiet von Bovec/Kobarid (Slowenien) zu einem schweren Erdbeben, das in einem Umkreis von mehreren hundert Kilometern spürbar war und im slowenischen Isonzotal schwere Gebäudeschäden verursachte. Erdbeben hinterlassen aber nicht nur an Bauwerken deutliche Spuren, ihre Wirkung zeigt sich auch in der Formveränderung der Erdoberfläche. Dieser Formveränderung, dem "Fingerabdruck" des Erdbebens, sind Wissenschaftler weltweit auf der Spur. Eine äußerst leistungsfähige, innovative Methode, um die durch das Beben verursachten Bewegungen der Erdoberfläche präzise und mit bisher unerreicht hoher Genauigkeit und großem Detailreichtum zu bestimmen, wendet dabei das Forscherteam für Satellitengeodäsie des Instituts für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Graz unter der Leitung von Univ.-Prof. DI Dr. Hans Sünkel an. Die Untersuchungen werden in enger Zusammenarbeit mit der Weltraumbehörde ESA und Joanneum Research durchgeführt.

Das Verfahren basiert auf den Aufnahmen der Erdbeobachtungssatelliten ERS 1/2 der ESA, die monatlich Aufnahmen der Erdoberfläche einer Größe von 100 km x 100 km im Bereich des Zielgebietes machen. Im Gegensatz zu herkömmlichen optischen Satelliten gewinnen ERS 1/2 die Bilddaten mittels von der Erdoberfläche reflektierter Radarsignale. Das "Echo" der vom Satelliten selber ausgesendeten Signale wird dort gespeichert und in einer Empfangstation in ein Bild umgerechnet. Neben dem Vorteil, auch durch Wolkendecken "hindurchblicken" zu können, ist es möglich, zwei zu verschiedenen Zeitpunkten erfolgte Aufnahmen desselben Gebietes zu vergleichen und damit die Bewegung der Erdoberfläche in Richtung des Satelliten festzustellen.

Entwickelt wurde dieses Verfahren in der Mojave Wüste bei Los Angeles, die aufgrund ihrer starken tektonischen Aktivität und ihrer kargen Vegetation als Testgebiet ideal geeignet ist. Da diese Bedingungen auf das Gebiet beim Dreiländereck nicht zutreffen, ist es unbedingt erforderlich, die Daten genau zu kalibrieren. Dabei kommt der Grazer Projektgruppe ihre langjährige Erfahrung mit dem Globalen Positionierungssystem (GPS) zugute, mit dessen Hilfe die Bewegung einzelner Punkte auf der Erdoberfläche millimetergenau vermessen werden kann.

Basis für diese Untersuchungen bildet ein von Joanneum Research entwickeltes Softwarepaket, das für diesen Zweck vom Forscherteam der ÖAW entsprechend angepaßt wurde. Die benötigten Satellitendaten werden von der ESA im Rahmen des Projekts kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Ergebnisse werden in Zusammenarbeit mit einer Geophysiker-Gruppe der Universität Triest ausgewertet. Ziel des Projekts ist die Gewinnung präziser Erkenntnisse über die tektonischen Mechanismen dieses Gebietes, die in entscheidendem Ausmaß zur Verbesserung der Erdbebenvorhersage in dieser gefährdeten Region beitragen sollen.

Rückfragehinweis:

Univ.-Prof. DI Dr. Hans Sünkel
Institut für Weltraumforschung der ÖAW
A-8010 Graz, Steyrergasse 30
Tel.: 0316/873-6346
 


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Letzte Änderung: 21.07.1999 16:06