Mit den Beziehungen und Wechselwirkungen zwischen dem ägäischen Raum und dem westlichen Mittelmeer in der Zeit vom 8. bis zum 5. Jh. v. Chr. befaßt sich ein internationales Archäologie-Symposion vom 24. bis 27. März 1999 in Wien. Fragen der kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen sowie der Zusammenhänge in der Alltagskultur und der sozialen Entwicklung stehen dabei im Vordergrund.
In der archäologischen Forschung werden in den letzten Jahren neue Wege sowohl in der Themen- als auch in der Methodenwahl gegangen. Im Mittelpunkt der Arbeiten stehen nicht mehr nur die Reste monumentaler antiker Bauwerke und großer Kunstwerke, sondern das Interesse der Wissenschaftler/innen konzentriert sich immer mehr auf Fragen der Alltagskultur, der Sozialstrukturen und auf die wirtschaftlichen Zusammenhänge. Das Interesse an der archaischen und klassischen Periode der griechischen Antike ist aber nicht - wie von Laien vielfach angenommen - allein auf Griechenland und die Ägäis konzentriert, sondern betrifft auch den westlichen Mittelmeerraum, wo zahlreiche große Kolonien in Italien, Spanien und Frankreich neue Kulturimpulse für die dort ansässigen Völker brachten. Die intensiven Grabungs- und Forschungsaktivitäten der letzten zwei Jahrzehnte, die sowohl von den jeweiligen lokalen archäologischen Denkmalbehörden als auch von den Universitäten und anderen internationalen Forschungsinstitutionen getragen werden, haben eine Fülle neuer Erkenntnisse zu diesen Fragestellungen gebracht.
Unter dem Titel "Die Ägäis und das westliche Mittelmeer" veranstaltet die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Klassische Archäologie der Universität Wien und dem Österreichischen Archäologischen Institut vom 24. bis 27. März 1999 ein Symposion, bei dem sich international bekannte Forscherpersönlichkeiten mit diesem Thema auseinandersetzen.
"Im Mittelpunkt des Symposions steht die Differenzierung der Strukturen der griechischen Kultur in der Ägäis und im westlichen Mittelmeerraum. Das Phänomen der Migration von Bevölkerungsgruppen und des Kontaktes zwischen diesen unterschiedlichen Gruppen führt dabei zum Entstehen neuer Gemeinschaften und Identitäten und ist somit auch im Hinblick auf die Gegenwart von Interesse", erklärt eine der Organisatoren des Symposions, Dr. Verena Gassner.
Ein weiteres Anliegen sei es, so die Wissenschaftlerin, die verschiedenen Möglichkeiten der Begegnung und des Austausches der beiden Gebiete zu diskutieren und besonders dem Einfluß der ionischen Kultur im Westen im Zuge von Städtegründungen und in der Folge von intensiven Handelsbeziehungen nachzugehen. Auch die Auswirkung der neuen Entwicklungen in den Kolonien auf die Kulturlandschaft der Mutterstädte ist Thema des Symposions. Das Interesse an diesen kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen bewirkt eine verstärkte Aufarbeitung und Neuinterpretation von einzelnen Fundgruppen, wobei sehr oft auch naturwissenschaftliche Methoden, beispielsweise bei der Herkunftsbestimmung von Keramik, herangezogen werden.