Studie des Instituts für Technikfolgenabschätzung der
Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) geht den Fragen
der medizinischen Effektivität und den gesundheitsökonomischen
Folgen dieser Behandlungsmethode nach
Die Extrakorporale Stoßwellentherapie/Extracorporal Shock Wave Therapy (ESWT) kommt - quasi als Nebenprodukt der urologischen Lithotripsie - seit etwa 1992 auch in der Behandlung von Erkrankungen des Haltungs- und Bewegungsapparates zum Einsatz. Obwohl die Deutsche Gesellschaft für Stoßwellenlithotripsie im Rahmen einer Konsensuskonferenz 1995 festlegte, daß die ESWT in der Behandlung der genannten Erkrankungen allgemein angewendet werden kann, konnte ein eindeutiger Wirksamkeitsnachweis nach strengen wissenschaftlichen Kriterien bislang nicht erbracht werden. Aus diesem Grund entschieden sich die Kostenträger in den wenigen Ländern in denen bislang die ESWT zum Einsatz kommt (Deutschland, Schweiz, Österreich), gegen eine Refundierung der erbrachten Leistungen.
"Vor dem Hintergrund einer möglichen Verbreitung der ESWT in Österreich ist aufgrund der bisher vorliegenden Erfahrungen eine kritische Auseinandersetzung mit Fragen der medizinischen Effektivität und den gesundheitsökonomischen Folgen unerläßlich", erklärt Claudia Wild vom Institut für Technikfolgenabschätzung der ÖAW. Die Wissenschaftlerin hat im Rahmen einer Studie das vorhandene Informationsmaterial analysiert und aus einer Fülle von zum Teil widersprüchlichen Erkenntnissen Fakten herausgefiltert, die zur Schaffung einer rationalen Entscheidungsbasis herangezogen werden können. Neben der Synthese vorhandener klinischer Studien zur Wirksamkeit der ESWT in vier Indikationsbereichen (Kalkschulter/Tendinosis calcarea, Fersenspornschmerz/Fasciitis plantaris, Tennisellbogen/Epicondylitis humeri radialis und Knochenheilungsstörungen /Pseudarthrosen) wurden Bedarfsabschätzungen und Kostenberechnungen analysiert.
Fazit: Die Extrakorporale Stoßwellentherapie wird am Bewegungsapparat immer (außer bei der Pseudarthrose) am Ende des konservativen Therapiespektrums, d.h. erst nach längerfristiger erfolgloser Behandlung, aber bevorzugt operationsersetzend eingesetzt und stellt dementsprechend eine Therapie zweiter Wahl dar. Der Vorteil der ESWT liegt darin, daß es sich um eine minimal invasive Methode handelt, die dementsprechend wenig Nachbehandlung oder Arbeitsausfälle nach sich zieht. Der derzeitige Nachteil der ESWT ist jedoch, daß keine gültigen Therapieschemata bestehen, und es daher zu nicht notwendigen häufigen Anwendungen kommt. Sollte die ESWT tatsächlich als operationsersetzende Methode (Ersatz eines arthroskopischen oder offenen Eingriffs) eingesetzt werden und sofern sie eine geringe Anzahl an Einzelbehandlungen nicht übersteigt, könnte sie eine kostengünstigere Therapieform sein, so die Studie.
Die Studie plädiert somit für einen restriktiven, aber pragmatischen
Umgang mit der ESWT: sie empfiehlt eine verpflichtende Koppelung der Anwendung
an klinische Multicenter-Studien, ohne Einzelleistungsvergütung im
intramuralen Bereich. Weiters wird die Erarbeitung von Therapieschemata
in wenigen (extramuralen) Kompetenzzentren der Sozialversicherungen angeregt,
um die negativen Effekte unbeschränkter Nachfrage und additiver Anwendungen
zu minimieren.
| Rückfragehinweis: | Dr. Claudia Wild
Institut für Technikfolgen-Abschätzung der ÖAW A-1010 Wien, Postgasse 7 Tel.: (+43-1)515 81–589 e-mail: cwild@oeaw.ac.at |