50 Jahre Kommission für
Byzantinistik
der Österreichischen
Akademie der Wissenschaften
Am 10. November 1998 feierte die Kommission für Byzantinistik der
Österreichischen Akademie der Wissenschaften das erste halbe Jahrhundert
ihres Bestehens mit einer Feier im Theatersaal des nach dem ehemaligen
Akademiepräsidenten und weltweit führenden Byzantinisten Herbert
Hunger benannten Akademie-Hauses.
Hunger, der das Institut für Byzantinistik zu Weltruhm brachte
und mit der Kommission für Byzantinstik eines der effektivsten Arbeitszentren
zur Byzantinistik schuf, das die gesamte Bandbreite des Faches abdeckt
(bes. Prosopographie, Paläographie, Sigillographie, Lexikographik,
Diplomatik), konnte mit Stolz den hochrangigen Besuchern, darunter dem
Metropoliten der griechisch-orthodoxen Kirche von Austria, Dr. Michael
Staikos, und dem Erzbischof der armenischen-apostolischen Kirche, Hon.Prof.
Dr. Mesrop Krikorian, das Ergebnis, oder besser Zwischenergebnis, einer
fünfzigjährigen Arbeit präsentieren:
-
das bislang einzige (in 15 Bänden) abgeschlossene Prosopographie-Lexikon
zur Byzantinistik (Paläologenzeit, mit ca. 28.000 behandelten Personen;
1966-1996),
-
das Standardwerk für griechische Paläographie (Repertorium der
griechischen Kopisten 800-1600, drei abgeschlossene Bände mit 1.200
behandelten Kopisten; seit 1981), dessen vierter Band bald in Druck gehen
wird (im Zusammenhang mit diesem Projekt wurde die weltgrößte
Sammlung von Handschriften-Abzügen --- rund 106.000 --- angelegt),
-
die weltgrößte Photothek zu byzantinischen Siegeln (38.000 Photos),
die mittlerweile Wissenschaftlern aus aller Welt für Ihre Arbeiten
unverzichtbare Hilfe leistet, sowie die katalogmäßige Aufarbeitung
der Siegel in Österreich (ein Band erschienen, drei in Vorbereitung),
-
das mit zwei gedruckten Bänden zu einem Viertel abgeschlossene Projekt
eines Lexikons zur byzantinischen Gräzität vom 9. bis 12. Jahrhundert,
-
die ebenfalls zu einem Viertel abgeschlossene Edition des Patriarchatsregister
von Konstantinopel von 1315 bis 1402, eines der wichtigsten Aktenbücher
für die byzantinische Zeit und das Patriarchat insbesondere,
-
die Publikation der Series Vindobonensis des Corpus Fontium Historiae Byzantinae
(8 Bände erschienen), der Wiener Byzantinistischen Studien (20 Bände
erschienen), der Byzantina Vindobonensia (21 Bände erschienen), der
Veröffentlichungen der Kommission für Byzantinistik (8 Bände,
darunter einige Reihen) sowie das Jahrbuch der Österreichischen Byzantinistik
(48 Bände)
-
und eine Reihe von internationalen Symposien, die Wissenschaftler aus aller
Welt nach Wien brachten (1981: XVI. Internationaler Byzantinistenkongreß;
1989: Symposion zur byzantinischen Lexikographik; 1993: 4. Internationales
Symposion für byzantinische Siegelkunde "Sigillographiae provehendae";
1994: Internationales Symposion "Geschichte und Kultur der Palaiologenzeit").
Der Festvortrag des Obmanns der Kommission für Byzantinistik, Prof.
Otto Kresten, zeigte eindrucksvoll die Einbeziehung der neuesten Medien
in die wissenschaftliche Arbeit: Für den in jüngster Zeit eingerichteten
Schwerpunkt "Byzantinische Diplomatik" wurde eine Bild-CD ROM mit sämtlichen
Kaiserurkunden (Originale und Kanzleikopien) des Zeitraums von 1052 bis
1201 erstellt, die sich heute in Archiven des Berges Athos, des Ioannes
Theologos-Klosters in Patmos sowie im Archivio Segreto Vaticano, im Archiv
der Cappella Palatina in Palermo und in den Staatsarchiven von Genua und
Pisa befinden. Diese CD-ROM wurde in Zusammenarbeit mit der Schwesterkommission
an der Münchener Akademie der Wissenschaften produziert; die kompakte
Präsentation dieser 212 Abbildungen von Urkunden --- zum Teil Erstveröffentlichungen
---, die Möglichkeit, die Dokumente beliebig zu vergrößern
und Dokumente etwa zum Schriftvergleich nebeneinanderzustellen, erwies
sich bereits am 5. Internationalen Paläographiekongreß in Cremona
(Oktober 1998) als in der Fachwelt bewunderte, einzigartige Innovation,
mit der die Kommission für Byzantinistik in diesem Bereich international
eine Vorreiterfunktion für die Verwendung der Digitalisierung mittelalterlicher
Schriftdokumente eingenommen hat.
© Österreichische Akademie der Wissenschaften
WWW-Redaktion
Letzte Änderung: 23.11.1998 12:53