Archäologische Grabung in der "Alten Aula":
Tierknochenfunde wissenschaftlich untersucht

Im Zuge der umfangreichen Umbau- und Renovierungsarbeiten wurden in einem Teil der "Alten Aula", der ältesten erhaltenen Universitätsaula Wiens (ca. 1623) 1996/97 archäologische Grabungen durchgeführt, die einen Einblick in die städtebauliche Entwicklung vom Spätmittelalter bis in die Neuzeit bieten. Der älteste Gebäudekomplex mit teilweiser Unterkellerung ist vorläufig in das 14. Jahrhundert zu datieren. Davon ausgehend ist ein kontinuierlicher Ausbau der mittelalterlichen Gebäude zu einem Innenhof mit Brunnen und Stiegenhaus und dem Ausbau der ursprünglichen Keller zu teilweise zweigeschossigen Kelleranlagen zu erkennen. Im 17. Jh. erfolgte der Bau der "Alten Aula" wobei die spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Kelleranlagen teilweise in diesen Bau integriert wurden. Das reichhaltige Fundmaterial illustriert bürgerliche und gewerbliche Lebensgewohnheiten.

Eine erste Bewertung der umfangreichen Tierknochenfunde präsentieren die Archäozoologen Mag. Angelika Adam und Mag. Günther Karl Kunst:

"Probleme der Tierknochenanalyse im urbanen Milieu anhand der Grabung Wien - Alte Aula"

Die Grabung Wien Bäckerstraße/Alte Universitätsaula lieferte umfangreiches Tierknochenmaterial, das verschiedenen Befunden wie Kellerräumen, Aufplanierungen sowie Brunnen- und Zisternenanlagen zuzuordnen ist.

Der Verfüllungszeitraum ist anhand des archäologischen Fundgutes großteils auf das 17. Jahrhundert eingrenzbar. Für ein Knochenensemble aus einem Kellerraum konnte aufgrund der vielfach festgestellten anatomischen Zusammengehörigkeit der Tierreste und archäologischer in-situ Befunde die weitgehende Geschlossenheit des Materials angenommen werden. Ausgehend davon wurden ausgewählte Proben aus den übrigen Bereichen besonders nach den folgenden Kriterien untersucht:

Die Knochenproben aus den einzelnen Befunden unterscheiden sich insgesamt weniger im Vorhandensein oder Fehlen bestimmter Arten oder Elementgruppen, als in deren relativen Anteilen. Anscheinend überwiegen die Abfälle aus dem Wirtschaftsbereich des neuzeitlichen Universitätsbetriebes, wobei großteils Küchen- und Speisereste, die wahrscheinlich in der näheren Umgebung angefallen sind, vorliegen dürften. Daraus wird auch die für eine urbane Situation an sich ungewöhnliche Seltenheit von Pferderesten verständlich.

INFO:
Prähistorische Kommission
e-mail: michaela.lochner@oeaw.ac.at
oder
Institut für Paläontologe/Universität Wien
e-mail: guenther.karl.kunst@univie.ac.at

 
 


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Letzte Änderung: 20.11.1998 17:47