Österreichische Architektureinflüsse in Sofia um die Jahrhundertwende

Mit dem Ende des Russisch-Türkischen Krieges von 1877/1878 begann in Bulgarien, das 1878 auf dem Berliner Kongreß zum selbständigen Fürstentum erhoben worden war, unter dem nationalen Aspekt eine rege Bautätigkeit. Bauaufträge wurden auch an zahlreiche Architekten der gesamten Donaumonarchie vergeben. Unter ihnen waren Baukünstler wie Ferdinand Fellner&Hermann Helmer, Viktor Rumpelmayer, Peter Paul Brang und Konstantin A. Jovanovic, die sich in Wien und anderen Städten bereits mit Theater- und Botschaftsgebäuden, mit öffentlichen Bauten, Schlössern und repräsentativen Palais einen Namen gemacht hatten.

Eine besondere Prägung erfuhr das Stadtbild von Sofia durch österreichische Architekten, die zeitlebens in dieser Stadt wirkten. Zu ihnen zählten Friedrich Grünanger (erbaute u.a. Nordosttrakt des Fürstenschlosses, Synagoge und Geistliche Akademie), Adolf Vaclav Kolar (z. B. Kriegsministerium, Militärschule, Militärklub und Vasil Levski-Denkmal), Karl Heinrich, Jiri, Josef und Vaclav Prosek. In diesem Zusammenhang ist auch der Bildhauer Andreas Greis und sein Sohn Edmund Greis zu nennen.

Dank dieser Bautätigkeit entwickelte sich die neue Hauptstadt Sofia, deren Einwohnerzahl von 1879 bis 1909 von 11.000 auf 100.000 angewachsen war, zu einem architektonischen Sammelpunkt westlicher Prägung, und man eiferte hier den Städten Wien, Prag und Budapest nach.

Anhand von Bauplänen, Veduten, historischen Aufnahmen sowie Photographien aus der Gegenwart vermittelt die Ausstellung ein anschauliches, bisher unbekanntes Bild österreichischer Baukunst in Sofia. Einerseits wird damit das Schaffen österreichischer Architekten in Sofia dokumentiert, andererseits wird auch der Einfluß der österreichischen Baukunstlehre auf bulgarische Architekten, die ihre Ausbildung in Wien erhielten, aufgezeigt. Zu den markantesten Vertretern zählen: Petko Momcilov, Jurdan Milanov, Georgi Fingov und Nikola Jurukov.

Die bereits 1997 im Nationalhistorischen Museum in Sofia gezeigte Ausstellung steht unter der Patronanz des Museums für die Geschichte von Sofia. Zusammengestellt wurde sie von den Historikern und Architekten Georgi Carev, Dr. Peter Jokimov, Georgi Kocev und Dr. Ljubinka Stoilova, alle Sofia, von Dr. Dieter Klein, Wien-München, und Marcella Stern, Wien. Für die Gestaltung zeichnet Stojan Christov, Sofia, verantwortlich. Ziel der Ausstellung (421 Exponate, 15 vorgestellte Architekten) ist es, sowohl längst vergessene österreichische Architekten und ihre Werke in Erinnerung zu rufen als auch in Mitteleuropa unbekannte bulgarische Künstler einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen.

Ausstellungsdauer:
20. Februar bis 13. März 1998
Öffnungszeiten:
Mo-Fr 9-17 Uhr
Ort:
Haus Wittgenstein - Bulgarisches Kulturinstitut
A-1030 Wien, Parkgasse 18 (U3-Station Rochusgasse)
Veranstalter:
Museum für die Geschichte von Sofia
Zentrum für Architektur an der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften
Österreichisches Biographisches Lexikon der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Österreichisches Ost- und Südosteuropa-Institut - Außenstelle Sofia
Haus Wittgenstein - Bulgarisches Kulturinstitut
Info:
Marcella Stern, Österreichisches Biographisches Lexikon, ÖAW
A-1030 Wien, Kegelgasse 27
Tel.: +43-1-712 21 48-22
Fax.: +43-1-712 21 48-11
e-mail: Marcella.Stern@oeaw.ac.at


© Österreichische Akademie der Wissenschaften
WWW-Redaktion
Letzte Änderung: 26.02.1998 12:33