Home
 
Suche Home Kontakt Sitemap Login English
ÖAW Aktuell
Presse
Veranstaltungen
Newsletter
Infoservice
Thema des Monats
2010
2009
WebArchiv
Thema: Das Magazin
Fotogalerie
Multimedia
Offene Stellen
Neu im Verlag
Über die Akademie
Forschung
Stipendien & Preise
Kooperationen & Partner
Service





Testamente sind wichtige Quellen zur Erforschung vergangener Lebenswelten. In Zusammenarbeit mit Partnern wie der ÖAW-Kommission für Rechtsgeschichte Österreichs editiert das ÖAW-Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit spätmittelalterliche Stadtbücher und bringt sein technisches Know-how in die Entwicklung einer Datenbank zur Rechtsgeschichte Österreichs ein.

Auch im Mittelalter mussten rechtliche Angelegenheiten ihre Ordnung haben. Das betrifft insbesondere die Regelung des Nachlasses, ging es doch nicht nur darum Liegenschaften, Kleidungsstücke, Mobiliar oder Schmuck ordnungsgemäß zu hinterlassen, sondern um nichts Geringeres als das Seelenheil, welches durch Vergabungen an Kirchen, Klöster und Arme gerettet werden sollte.

"Spätmittelalterliche Bürgertestamente zählen aufgrund ihrer dichten Überlieferung über längere Zeiträume hinweg zu den wichtigsten Schriftquellen des städtischen Raums", erklärt Gerhard Jaritz, Mitarbeiter des ÖAW-Instituts für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit (IMAREAL). Sie ermöglichen wertvolle Rückschlüsse auf die materielle Kultur, auf kollektive Einstellungen, Handlungsweisen und Bedürfnisstrukturen sowie auf soziale Beziehungsnetze der damaligen Zeit.

Der forschenden Nachwelt sind Bürgertestamente - zeitgenössisch "Geschäfte" genannt - überwiegend über die vom Stadtrat geführten Stadtbücher erhalten. Aktuell werden am IMAREAL die Wiener und Korneuburger Stadtbücher des Spätmittelalters editiert.

Das spätmittelalterliche Wien

Die Wiener Stadtbücher sind für die Jahre 1395 bis 1430 überliefert und werden vom IMAREAL in Zusammenarbeit mit der ÖAW-Kommission für Rechtsgeschichte Österreichs bearbeitet. "Mit über 4500 Einträgen bilden sie den größten Bestand dieser Quellengattung in Österreich", sagt Jaritz. Sie enthalten nicht nur eine große Zahl an Bürgertestamenten, sondern auch diverse Einträge zu anderen erbrechtlichen Betreffen wie beispielsweise Gütergemeinschaftsabreden oder Einträge von öffentlich-rechtlicher Bedeutung wie Ratslisten oder Handwerksordnungen. "Sie sind daher eine erstrangige Quelle für die Erforschung der spätmittelalterlichen Stadtgeschichte", betont Jaritz.

Handelszentrum Korneuburg

Eine ebenfalls erstrangige Quelle, um mehr über soziale Strukturen, wirtschaftliche Grundlagen, religiöse Handlungsmuster und regionale wie überregionale Netzwerke einer spätmittelalterlichen Stadt zu erfahren, sind die Korneuburger Testamentbücher des 15. Jahrhunderts. Das heute eher beschauliche niederösterreichische Korneuburg war im Spätmittelalter ein wichtiges Handelszentrum. "Die für den spätmittelalterlichen Zeitraum charakteristische Verbindung von Kleinstadt, Donauhandelszentrum und landesfürstlicher Festung macht Korneuburg zu einem für die österreichische Städtelandschaft des Spätmittelalters repräsentativen Forschungsfeld", erklärt Kornelia Holzner-Tobisch, Mitarbeiterin am IMAREAL. Die Bücher umfassen über 500 Bürgertestamente und sind damit nach Wien einer der größten spätmittelalterlichen Bestände letztwilliger Verfügungen im ostösterreichischen Raum. Dazu kommt, dass im Gegensatz zu den Stadtbüchern anderer österreichischer Städte dieser Zeit die Korneuburger Testamentbücher vollständig erhalten sind.

Rechtsgeschichte à la Wikipedia

Über die in Zusammenarbeit mit dem Oberösterreichischen Landesmuseum entwickelte Datenbank Rechtsaltertümer-online sollen mittelalterliche und frühneuzeitliche Rechtsquellen aus ganz Österreich erfasst werden. Unter anderem bereits eingepflegt wurden spätmittelalterliche Rechtsauskünfte aus Niederösterreich, die das ÖAW-Institut für Österreichische Dialekt- und Namenlexika in maschinenlesbarer Form zur Verfügung gestellt hat. Das Projekt ist auf die Mitarbeit von rechtshistorisch Interessierten ausgelegt, die sich von jedem beliebigen PC aus via Internet beteiligen können. "Dahinter steht die Idee von Wikipedia, das vorhandene Wissen optimal zu teilen - im wissenschaftlichen Bereich geht dies natürlich nicht ohne Qualitätskontrollen, für die wir jedenfalls garantieren können", so Elisabeth Vavra, Direktorin des IMAREAL.

Weitere Informationen:
Register zu den Wiener Stadtbüchern (1395-1430)
Die 1989 begonnene Volledition der Wiener Stadtbücher (1395-1430) umfasst inzwischen vier Bände für die Jahre 1395 bis 1417, der fünfte Band ist in Arbeit. Um den Zugang zum edierten Material zu erleichtern werden als "work in progress" entstehende Register zu Personen, Orten, realienkundlichen und rechtshistorischen Begriffen online auf der Website des IMAREAL zur Verfügung gestellt.

Die Korneuburger Testamentsbücher des 15. Jahrhunderts (1401-1493)
Im Unterschied zu den "vermischt" geführten Wiener Stadtbüchern enthalten die ab 1401 (bis 1790) kontinuierlich geführten Testamentsbücher der niederösterreichischen Stadt Korneuburg fast ausschließlich letztwillige Verfügungen. Die beiden ältesten Handschriften des im Stadtarchiv Korneuburg verwahrten Bestands umfassen den Zeitraum von 1401 bis 1493.

Rechtsaltertümer-online (RAT)
Die Datenbank Rechtsaltertümer-online (RAT) entsteht in Zusammenarbeit mit dem Oberösterreichischen Landesmuseum.


Kontakt:
Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit (IMAREAL)
Zentrum Mittelalterforschung
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Körnermarkt 13, 3500 Krems an der Donau
www.imareal.oeaw.ac.at

Dr. Gerhard Jaritz
gerhard.jaritz@oeaw.ac.at
T +43 2732 84793-25

MMag.a Kornelia Holzner-Tobisch
kornelia.holzner-tobisch@oeaw.ac.at
T +43 2732 84793-34

Dr. Elisabeth Vavra
elisabeth.vavra@oeaw.ac.at
T +43 2732 84793-22


Juli 2010
Heilige im Bildzurück top end

 
Ö sterreichische Akademie der Wissenschaften ( Ö AW)
1010 Wien
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2
Tel.: (+43 1) 51581-0
webmaster@oeaw.ac.at

Impressum

Last update: 2010/08/09
© by Ö AW


Druckhilfe