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Kein Tumor gleicht dem anderen. Das macht es schwierig, Krebs gezielt und wirkungsvoll zu behandeln. Doch Krebszellen sind nicht unverwundbar. Forscher(innen) des CeMM - Forschungszentrum für Molekulare Medizin der ÖAW suchen mit einer neuen Methode nach ihren Schwachstellen.

Ungebremstes Wachstum: Das macht die Gefährlichkeit von Krebszellen aus. Es basiert auf zahlreichen genetischen Veränderungen. Gene, die das Zellwachstum unter Kontrolle halten sollen - die Tumorsupressorgene -, können ihre Funktion nicht mehr richtig ausführen. Onkogene werden aktiviert und treiben die Krebsentwicklung an. Doch diese Veränderungen haben ihren Preis. Sie machen die Krebszellen verwundbar. Grund dafür ist, dass bestimmte Gene der Krebszelle paarweise eine im wahrsten Sinne letale Verbindung eingehen: Werden beide Gene ausgeschaltet, geht die Krebszelle zugrunde.

Systematische Suche nach Schwachstellen

Dieses Phänomen namens "Synthetic Lethality" wurde ursprünglich bei Hefezellen entdeckt und wird weltweit intensiv beforscht: verspricht das gezielte Ausschalten von Genpaaren doch eine wirkungsvolle Therapie, die nur die Krebszellen angreift jedoch gesunde Zellen unbeschädigt lässt und damit auch die Nebenwirkungen der Behandlung minimiert. "Das Problem ist nur, dass derartige Genpaare bei Säugetieren bisher nur zufällig gefunden wurden", sagt Sebastian Nijman vom CeMM - Forschungszentrum für Molekulare Medizin der ÖAW. Das will der Forscher nun ändern: Gemeinsam mit seinem Team macht er sich auf die Suche nach derartigen Genpaaren.

Die Forscher(innen) machen sich dabei die technologischen Fortschritte der letzten Jahre zunutze, allen voran der RNA-Interferenz-Technologie (siehe auch Interview mit Julius Brennecke ). Diese ermöglicht das Stilllegen einzelner Gene. Die CeMM-Forscher(innen) haben eine Methode entwickelt, die es nun erlaubt, die für die Krebszellen potenziell verhängnisvollen Geninteraktionen systematisch und besonders effizient aufzuspüren. "Unsere Methode kann solche synthetisch letalen Verbindungen in Krebszellen 100 mal schneller als bisherige Methoden aufdecken", so Nijman.

Krebstherapie der Zukunft

Zielgerichtete Medikamente sind die Krebstherapie der Zukunft. Wie viel versprechend sie heute schon sind, zeigt das Beispiel der chronischen myeloischen Leukämie, die zu den häufigsten Leukämie-Erkrankungen bei Erwachsenen gehört. Für sie wurde das für das unkontrollierte Zellwachstum verantwortliche Protein identifiziert und ein punktgenau dieses Protein hemmender Wirkstoff entwickelt (siehe auch Gezielte Therapie bei Leukämie ). Die Achillesfersen der Krebszellen könnten neue Angriffsziele für künftige Medikamente sein. "Eine erste auf dem Prinzip der synthetisch letalen Verbindungen basierende Therapie lieferte in klinischen Versuchen bereits fantastische Resultate und ich erwarte weitere Erfolge in den kommenden Jahren", ist Nijman zuversichtlich.

Sebastian Nijman wurde 2009 mit dem Wiener Zukunftspreis in der Kategorie "Newcomer and Startups" ausgezeichnet. Die Forschungsarbeit von ihm und seinem Team am CeMM wird vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) sowie vom Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) finanziell unterstützt.


Kontakt:
Sebastian Nijman, Ph.D.
CeMM - Forschungszentrum für Molekulare Medizin
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
snijman@cemm.oeaw.ac.at
www.cemm.oeaw.ac.at
c/o Klinische Abteilung für Medizinische und Chemische Labordiagnostik
AKH, Leitstelle 5H.J2.09
Medizinische Universität Wien
T +43 1 40400-6753
www.kimcl.at


Februar 2010
Strukturelle Regulierung der Genaktivitätzurück top end

 
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Last update: 2010/05/10
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