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Die Kleinasiatische Kommission der ÖAW besitzt eine der weltweit größten Sammlungen von Inschriftenabklatschen Kleinasiens. In vielen Fällen sind sie die einzige noch vorhandene Dokumentation heute zerstörter Monumente.
Wer sich in postantiken Zeiten ein neues Haus gebaut hat, hat nicht immer darauf geachtet, ob das von ihm verwendete Baumaterial mit einer Inschrift versehen ist oder nicht. Manchmal tauchen diese Inschriften Jahrhunderte später bei Umbauarbeiten wieder auf, manchmal sind sie für immer für die Nachwelt verloren. Die unachtsame Verwendung als Baumaterial ist nur eine von vielen Gründen für die Zerstörung antiker Monumente. Besonders der Tourismus mit seinem Bauboom macht den Erhaltern antiken Kulturgutes ebenfalls zu schaffen.
Inschriften dauerhaft sichern
Seit 120 Jahren sind im Auftrag der Kleinasiatischen Kommission der ÖAW Forscherinnen und Forscher in Kleinasien unterwegs, um Inschriften aller Art von Ehren- bis Weihinschriften aufzuspüren und zu dokumentieren. Das geschah bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts vorrangig mit Abdrücken der Inschriften - so genannten Abklatschen. Über 2000 Abklatsche hat die Kleinasiatische Kommission im Laufe der Zeit angesammelt. "Ziel der Expeditionen war und ist, die Inschriften dauerhaft zu sichern", sagt Georg Rehrenböck, Kustos der Sammlung.
Abklatsche sind Abdrucke von Inschriften. Sie wurden ursprünglich mit Papier gemacht, heute wird dafür zunehmend Latex verwendet. Für Papier-Abklatsche wird ein Spezialpapier befeuchtet, auf die Inschrift mit Hilfe einer Bürste angedrückt, getrocknet und dann abgezogen. Das Verfahren mit Latex ist ähnlich, nur dass die Kunststoffmasse aufgesprüht wird. Während Papier-Abklatsche mehrere 100 Jahre völlig unverändert bleiben können, sind Latex-Abklatsche sehr empfindlich und weniger lange haltbar, da sie an Feuchtigkeit verlieren und dann einfach zerfallen.
Erkundungsfahrten bis ins kleinste Dorf
In der Anfangszeit zogen die Forschungsreisenden mit Mauleseln durch Kleinasien. In der Jetztzeit sind sie mit dem Auto unterwegs. Rehrenböck: "Kleinasien ist zu einem großen Teil epigraphisch noch wenig erschlossen." Rund 300 neue Inschriften finden die Forschungsreisenden bei ihren Erkundungsfahrten bis ins kleinste Dorf Jahr für Jahr. Während die Forscherinnen und Forscher der ersten Stunde neben den Abklatschen auch detaillierte Zeichnungen der Inschriften in Skizzenbüchern anfertigten, werden heute die Inschriften vor allem via Foto dokumentiert. "Doch auch Abklatsche werden noch hergestellt", ergänzt Rehrenböck.
Die Abklatsche der Kleinasiatischen Kommission sind begehrt, stellen sie doch für zahlreiche heute zerstörte Monumente die einzige noch vorhandene Dokumentation dar. Die Forscherinnen und Forscher kommen aus der ganzen Welt, um mit der Sammlung zu arbeiten: "Es gibt Projekte, die ohne unser Material einfach nicht auskommen", sagt Gerhard Dobesch, Obmann der Kommission. Auch die Skizzenbücher der Reisenden sowie der laufend aktualisierte Schedenapparat sind ein einzigartiges Archiv für die wissenschaftliche Erforschung Kleinasiens. Im Schedenapparat soll das gesamte griechische und lateinische Inschriftenmaterial Kleinasiens karteimäßig aufgenommen werden. Er umfasst mittlerweile etwa 50.000 Blätter.
Um den Forscherinnen und Forschern den Zugriff auf das Material zu erleichtern, soll die Abklatsch-Sammlung der Kleinasiatischen Kommission nun digitalisiert und in Internet gestellt werden. "Für Details wird jedoch immer der Blick auf das Original notwendig sein", so Dobesch.
Kontakt:
Kleinasiatische Kommission
Zentrum Archäologie und Altertumswissenschaften
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Fleischmarkt 22, 1010 Wien
T +43 1 51581/2470 - 2473
www.oeaw.ac.at/klasia
Prof. Dr. Gerhard Dobesch
gerhard.dobesch@oeaw.ac.at
Dr. Georg Rehrenböck
georg.rehrenboeck@oeaw.ac.at
Jänner 2010
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Sammlung Fritz Schachermeyr
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