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Beim Monitoring verarbeitet man räumliche und zeitliche Daten gemeinsam - mit dem Ziel, Dynamik zu erkennen. Josef Strobl, Direktor des ÖAW-Instituts für Geographic Information Science (GIScience) in Salzburg, im Gespräch mit Waltraud Niel über Methoden und Konzepte zur Verarbeitung raum-zeitlicher Daten.
Wie kann Geographic Information Science (GIScience) beitragen, drängende globale Probleme besser in den Griff zu bekommen?
Strobl: Mit Geographic Information Software (GIS) als dem Werkzeug von GIScience können wir die Dynamik räumlicher und zeitlicher Veränderungen besser erkennbar machen. Nicht überall ist eine Dynamik so deutlich wie beim Abschmelzen eines Gletschers. Oft erkennen wir erst mithilfe der Informationstechnologien dynamische Entwicklungsmuster. Großräumige klimatische, ökonomische und soziale Veränderungen müssen wir aber frühzeitig erkennen und richtig bewerten, um die Lebensqualität für nachfolgende Generationen zu erhalten.
Was ist der Forschungsschwerpunkt an Ihrem Institut?
Strobl: Unser Schwerpunkt liegt zunächst einmal in der Analyse räumlicher Information. GIS fokussiert dabei nicht auf ein zentrales Objekt, sondern beschäftigt sich mit einer Perspektive, mit räumlicher Sichtweise auf die Anordnung, Dynamik und Systematik von Objekten. Es geht im weiteren Sinn um Mustererkennung, Regeln zur Mustererkennung (auch im Sinne eines Data-Mining) und - wenn man den Zeitfaktor mit einbezieht - um die dynamische Veränderung von Verteilungsmustern.
Am ÖAW-Institut in Salzburg wollen wir GIScience durch Interdisziplinarität mit Fokus auf Konzept und Methode weiterentwickeln. Wir vereinen Wissenschaftsgebiete, die raum-zeitliche Dynamik, allerdings in verschiedenen Maßstäben, erforschen. Dementsprechend arbeiten bei uns Physiker(innen) und Geodät(inn)en ebenso wie Biolog(inn)en und Sozialwissenschafter(innen). Unsere Methoden werden sogar auf die Erforschung der dynamischen Entzündungsprozesse beim Krankheitsverlauf der Multiplen Sklerose angewendet. Der Schwerpunkt am GIScience-Institut liegt nicht im Gewinnen neuer Daten, sondern in der Datenanalyse und damit dem Gewinnen neuer Information und letztlich neuen Wissens.
Welche Daten verarbeiten Sie?
Strobl: Wir verarbeiten Fernerkundungsdaten von Luftbildern oder Satelliten, Geodaten aus unterschiedlichsten Datenbanken, demografische Daten aus der amtlichen Statistik und auch Auswertungen beispielsweise von Mobiltelefonnutzern. Wir setzen Geodaten mit anderen in Beziehung, daraus entsteht Mehrwert an Information. Nach Verortung von Daten, der so genannten Georeferenzierung, kann man die Information - mittels der Positionsangabe als eindeutigem Schlüssel - mit jeder anderen lagebezogenen Information verknüpfen. Man muss sich aber bewusst sein, dass die Positionsangabe ein frei verfügbarer Schlüssel ist und deshalb die Verknüpfung mit personenbezogenen Daten Probleme mit dem Datenschutz bringen kann.
Wie vermeiden Sie Probleme mit dem Datenschutz?
Strobl: Bei manchen Projekten mit Individualdaten ist das durchaus eine kritische Frage. Sobald Verortung und Dynamik soziale Strukturen betreffen, muss man sensibel sein. GIS hat sehr viel mit unserem Alltagsleben zu tun: Wir sind umgeben von Navigationssystemen und geosozialen Netzen. Nehmen Sie das Programm Google Latitude, mit dem Sie einem bestimmten Personenkreis ermöglichen, jederzeit Ihre momentane Position abzufragen. Wir wollen diese Technologien nicht verteufeln, aber wer sie nützt, soll wissen, wo er oder sie Spuren hinterlässt. Den Menschen sollte diese raum-zeitliche Vernetzung mehr bewusst werden. Das ist eine Voraussetzung, um kritische Fragen stellen zu können. Insofern haben wir am GIScience-Institut auch eine pädagogische Aufgabe.
Wie öffentlich sind Arbeitsweise und Ergebnisse von GIS?
Strobl: Die technologischen Entwicklungen kommen zum Teil aus dem militärischen Bereich, wie ursprünglich auch das heutige Google Earth: Dieses wurde als Zusammenschau verfügbarer Satellitendaten auf einem Globus entwickelt. Geographic Information Science, die es unter diesem Namen seit den frühen 1990er Jahren gibt, entwickelt auf wissenschaftlicher Ebene Theorien, Konzepte und Technologien. Man hat als Person, als wissenschaftlicher oder wirtschaftlicher Akteur, als staatlicher aber auch als NGO Zugang zu den Ergebnissen. Von unserer Seite her müssen wir aber auch klar kommunizieren, dass Präsentation von Information nie objektiv sein kann. Es kommt immer auf die Zielgruppe an, der diese Information präsentiert wird - und auf die Position und Intention des "Absenders".
Zur Person:
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Josef Strobl (geb. 1958) studierte Geographie, Meteorologie und Geologie an der Universität Wien. Er forscht und lehrt seit 1985 an der Universität Salzburg und ist Gründungsdirektor des ÖAW-Instituts für Geographic Information Science in Salzburg (2006). Seine wissenschaftlichen Hauptinteressen gelten räumlichen Analysen und Geoinformation als Infrastruktur.
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Kontakt:
Prof. Dr. Josef Strobl
Direktor
Institut für Geographic Information Science (GIScience)
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Schillerstraße 30, 5020 Salzburg
T +43 662 8044-7510
josef.strobl@oeaw.ac.at
www.oeaw.ac.at/giscience
Dezember 2009
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Monitoring-Konzepte für dynamische Strukturveränderungen
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