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Die durch Pneumokokken verursachte Lungenentzündung fordert weltweit jährlich mehrere Millionen Todesopfer. CeMM-Forscher(innen) konnten nun einen wichtigen Immunabwehrmechanismus gegen die gefährliche Infektion identifizieren - mit einem überraschenden Protagonisten.
Bisher hatte das Rezeptormolekül TREM-1 keinen guten Ruf. Bei einer Infektion durch Bakterien oder andere Mikroben pusht es die Entzündungsreaktion und bereitet so den Boden für deren lebensbedrohliche Ausbreitung in den ganzen Körper, also für eine Sepsis (Blutvergiftung). Hauptursache einer Sepsis ist eine durch Bakterien verursachte Lungenentzündung (Pneumonie). Zu den am weitest verbreiteten Erregern gehören Streptokokkus pneumoniae - besser bekannt als Pneumokokken.
Eine Infektion mit Pneumokokken kann bei Gesunden und Menschen mit geschwächtem Immunsystem schwere Entzündungen verursachen. Diese reichen von einer Mittelohrentzündung bis zur Hirnhautentzündung. Die durch Pneumokokken verursachte Lungenentzündung kann in jedem Lebensalter auftreten und führt besonders infolge einer Influenza-Infektion zu lebensbedrohlichen Zuständen.
Ein Rezeptor mit zwei Gesichtern
Wissenschaftler(innen) am CeMM - Forschungszentrum für Molekulare Medizin der ÖAW unter der Leitung von Sylvia Knapp konnten in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Wien nun erstmals zeigen, dass TREM-1 nicht nur Entzündungsreaktionen eskalieren lässt, sondern auch eine positive Funktion hat: Es ist sogar an einem Immunabwehr-Mechanismus gegen die durch Pneumokokken verursachte Lungenentzündung beteiligt.
Die Forscher(innen) konnten nachweisen, dass bei einer Infektion mit dem Erreger Streptokokkus pneumoniae die Zahl der TREM-1-Moleküle im Körper deutlich ansteigt. Die frühe Immunantwort gegen den Erreger wird verstärkt, seine Eliminierung gefördert und die begleitende Entzündungsreaktion eingedämmt. "Wir konnten an Mäusen den Mechanismus zeigen, wie TREM-1 die Bakterieneliminierung beschleunigt und somit die Überlebenschance erhöht", sagt Sylvia Knapp, Gruppenleiterin am CeMM und Koordinatorin der Studie.
Für die Immunabwehr unverzichtbar
Dieses überraschende Ergebnis führt die Forscher(innen) zu dem Schluss, dass TREM-1 nicht nur eine wichtige Rolle bei der Abwehr der durch Pneumokokken verursachten Pneumonie spielt, sondern sogar für die angeborene Immunabwehr gegen diesen Erreger unverzichtbar ist.
Das wirft sowohl eine neues Licht auf das Rezeptormolekül, als auch auf etwaige Therapien von Lungenentzündung und Sepsis. "Bisher war man davon ausgegangen, dass die Hemmung von TREM-1 eine mögliche Therapie gegen Sepsis sein könnte", so Knapp, "unsere Ergebnisse mahnen jedoch zur Vorsicht: eine therapeutische Blockade von TREM-1 könnte fatale Folgen für Pneumonie-Patientinnen und -Patienten haben."
Publikation:
TREM-1 Activation Alters the Dynamics of Pulmonary IRAK-M Expression In Vivo and Improves Host Defense during Pneumococcal Pneumonia. Heimo Lagler, Omar Sharif, Isabella Haslinger, Ulrich Matt, Karin Stich, Tanja Furtner, Bianca Doninger, Katharina Schmid, Rainer Gattringer, Alex F. de Vos and Sylvia Knapp, J Immunol. 183:2027-2036 (2009).
doi:10.4049/jimmunol.0803862
Kontakt:
Univ. Prof. Dr. Sylvia Knapp, PhD
T +43 1 40400-5139
sknapp@cemm.oeaw.ac.at
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
CeMM - Forschungszentrum für Molekulare Medizin
www.cemm.oeaw.ac.at
Medizinische Universität Wien
Institut für Medizin I, Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin
www.meduniwien.ac.at/med1/infektiologie
Klinisches Institut für Pathologie
www.meduniwien.ac.at/klinpath
August 2009
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