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Trotz Impfung sind ältere Menschen gegen Krankheiten wie Influenza oft nicht ausreichend geschützt. Die Gründe dafür und was dagegen getan werden kann, erklärt Beatrix Grubeck-Loebenstein, Direktorin des Instituts für Biomedizinische Alternsforschung der ÖAW, im Interview mit Martina Gröschl.
Wie verändert sich das Immunsystem, wenn man älter wird?
Grubeck-Loebenstein: Das alternde Immunsystem ist vor allen durch den Verlust des Thymus geprägt. Im Thymus reifen bestimmte Abwehrzellen, die T-Lymphozyten, heran. Ab etwa dem 50. Lebensjahr kann der Körper keine neuen T-Lymphozyten mehr produzieren, man muss mit jenen auskommen, die sich bis dahin gebildet haben. Auch die Funktion anderer Abwehrzellen wie der B-Lymphozyten, Granulozyten und Monozyten lässt mit dem Alter nach. Viren und Bakterien können nicht mehr effektiv bekämpft werden. Die Infektanfälligkeit steigt und Impfungen wirken nicht mehr so effektiv wie in einem jungen Immunsystem.
Wird das in den derzeitigen Impfstrategien für ältere Menschen berücksichtigt?
Grubeck-Loebenstein: Bis noch vor etwa zehn Jahren war man sich des Problems nicht bewusst. Man war der Meinung, Impfungen seien Kindersache und für Erwachsene nicht wichtig. Wir haben damals in "Nature Medicine" (
doi:10.1038/nm0898-870b
) darauf hingewiesen, dass alte Menschen trotz Impfung sehr häufig gegen Erkrankungen - wie beispielsweise Tetanus - nicht ausreichend geschützt sind. Daraufhin haben wir die Antikörper gegen Tetanus genauer untersucht und festgestellt, dass alte Menschen weniger Antikörper besitzen als junge und der Impfschutz nicht so lange anhält. Dem kann man entgegenwirken, indem man in kürzeren Abständen impft und in Österreich ist das jetzt der Fall.
Wird auch an speziellen Impfstoff-Zusammensetzungen für ältere Menschen geforscht?
Grubeck-Loebenstein: Nicht für Tetanus - das ist bereits ein optimaler Impfstoff. Woran jedoch intensiv geforscht wird, sind die Grippe-Impfstoffe, die im Alter zwar empfohlen und auch verabreicht werden, aber nicht ausreichend wirken. Hier gibt es verschiedene Ansätze: So kann man zum Beispiel Hilfsstoffe dazugeben - Adjuvanzien -, um die Wirksamkeit der Impfung zu erhöhen. Ein anderer Ansatz ist, den Impfstoff nicht in den Muskel zu injizieren, sondern mit kurzen Nadeln in die Haut. In der Haut sind Zellen, die den Impfstoff besonders gut aufnehmen und transportieren können.
Anlässlich der aktuellen Influenza-Pandemie wird immer wieder die "Spanische Grippe" zitiert, die nach dem ersten Weltkrieg zahlreiche Todesopfer gefordert hat. Im Gegensatz zu den meisten anderen Influenza-Viren haben die Viren der Spanischen Grippe auf jüngere Menschen eine verheerendere Wirkung gehabt als auf ältere. Warum war das so?
Grubeck-Loebenstein: Die derzeitige Influenza verläuft bisher vergleichsweise mild. Die Spanische Grippe war hingegen extrem aggressiv. Vor allem die neutrophilen Granulozyten sind sehr schnell und in großer Zahl in die Lunge eingewandert. Die eigentlich für die Eliminierung der Viren ausgeschütteten Substanzen haben das Lungengewebe zerstört. Bei den älteren Menschen war der Granulozyten-Einstrom in die Lunge schwächer.
Am Institut für Biomedizinische Alternsforschung wird intensiv am so genannten Zytomegalie-Virus geforscht, das umgekehrt gerade für ältere Menschen besonders gefährlich werden kann. Was ist der Grund dafür?
Grubeck-Loebenstein: Das Zytomegalie-Virus ist ein Herpes-Virus, mit dem sehr viele Menschen bereits in früher Kindheit infiziert werden und das latent im Körper verweilt. Menschen mit einem normalen Immunsystem macht es praktisch keine Probleme. Im Laufe des Lebens wird das Zytomegalie-Virus jedoch immer wieder reaktiviert und muss vom Immunsystem bekämpft werden. Dafür wird Kapazität gebunden, die bei der Bekämpfung anderer Pathogene fehlt. Darüber hinaus sammeln sich gealterte - und daher entzündungsfördernde - T-Lymphozyten in großer Zahl an. Dadurch kommt es bei einer Zytomegalie-Virus-Infektion zu einer früheren Alterung des Immunsystems. Hier gibt es interessante Longitudinal-Studien aus Schweden: Risikofaktoren für einen baldigen Tod wurden bei 80jährigen identifiziert: einer davon ist eine Infektion mit dem Zytomegalie-Virus.
Zur Person:
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Beatrix Grubeck-Loebenstein ist Direktorin des Instituts für Biomedizinische Alternsforschung der ÖAW in Innsbruck und leitet dort die Abteilung Immunologie. Gemeinsam mit ihrem Team erforscht sie, wie sich das Immunsystem im Alter verändert, wie sich altersbedingte Funktionsverluste minimieren sowie Impfstoffe für ältere Menschen optimieren lassen. Beatrix Grubeck-Loebenstein ist für Innere Medizin und für Pathophysiologie habilitiert und auch Fachärztin in diesen beiden Disziplinen. Ihre immunologische Ausbildung erhielt sie am Kennedy Institute of Rheumatology in London. Sie ist Editor-in-Chief der Zeitschrift Experimental Gerontology, Österreichische Koordinatorin bei einem ERA-Netzwerk zum Thema Alternsforschung der Europäischen Kommission und leitendes Mitglied zahlreicher Fachgremien.
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Kontakt:
Prof. Dr. Beatrix Grubeck-Loebenstein
Institut für Biomedizinische Alternsforschung
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Rennweg 10, 6020 Innsbruck
T +43 512 583919-55
beatrix.grubeck-loebenstein@oeaw.ac.at
www.iba.oeaw.ac.at
August 2009
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Viren im alternden Immunsystem
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