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Mit fast 15 Kilometern Gängen auf vier Stockwerken ist die Domitilla-Katakombe die größte unterirdische Totenstadt Roms. Am Institut für Kulturgeschichte der Antike erwecken die Forscherinnen und Forscher unter Einsatz modernster 3D-Lasertechnologien die Grabanlage virtuell zum Leben.
Kilometerlange, dunkle, ungesicherte Gänge, stickige, warme Luft und eine Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent: Empfindlich darf man als Katakombenforscher(in) nicht sein. "Es ist schon recht abenteuerlich", beschreibt Norbert Zimmermann vom ÖAW-Institut für Kulturgeschichte der Antike seinen Forschungsplatz der letzten drei Jahre. Er leitet ein START-Projekt des Wissenschaftsfonds FWF zur Erforschung der größten unterirdischen Totenstadt Roms: der Domitilla-Katakombe.
An fast 15 Kilometern Gängen und in vier Stockwerken reiht sich eine Grabkammer an die andere. Fast 200 Jahre lang - vom 3. bis zum 5. Jahrhundert - wurde die Katakombe als letzte Ruhestätte benutzt. In den Blick der Forschung rückte sie erstmals Ende des 16. Jahrhunderts. Doch erst heute ist es dank modernster Technologie möglich das dunkle und unübersichtliche Netz aus Gängen und Kammern exakt zu erfassen.
Erste vollständige Dokumentation
In Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Wien haben ÖAW-Forscher(innen) erstmals die Domitilla-Kaktakombe vollständig dokumentiert. Dabei ist ein spezieller 3D-Laserscanner der niederösterreichischen Firma Riegl zum Einsatz gekommen. "Der Scanner erzeugt ein 3D-Abbild des ihn umgebenden Raumes in Form einer Punktewolke", erklärt Zimmermann. Von einer Stelle zur nächsten wurde der Scanner durch die Gänge und Kammern geschoben und die insgesamt 1.800 Scans Stück für Stück zusammengeführt.
Was das Herz von Kunsthistoriker(inne)n bei der Domitilla-Katakombe höher schlagen lässt, sind nicht nur architektonisch interessante Gang- und Grabkonstruktionen. Die Gräber der armen Bürger(innen) sind schlicht. Doch die wohlhabende Klientel ließ ihre Kammern oft mit aufwändigen Malereien ausstatten. Rund 80 davon hat die Domitilla-Katakombe zu bieten - ein Bilderschatz, der in keiner anderen Katakombe zu finden ist. Die Malereien geben vielsagende Einblicke in die Lebenswelt der damaligen Zeit. "Wir haben zum Beispiel ein wunderschönes Porträt eines Fossors entdeckt", so Zimmermann. Die Fossoren waren jene Totengräber, die damals die Gänge angelegt haben.
Neuer Blick ins alte Rom
Der Blick in die vergangene Lebenswelt ist die Forschungsaufgabe für die nächsten drei Jahre des Projekts. Zimmermann: "Die Katakombe birgt zahlreiche sozialhistorische Hinweise, wir können zum Beispiel aus Anzahl und Größe von Gräbern schließen, wie groß die Säuglingssterblichkeit zu einer bestimmten Zeit war."
Aber natürlich hat die Totenstadt auch religionshistorisch Aufschlussreiches zu bieten. In der Katakombe wurden Relikte aus einer Zeit konserviert, aus der oberirdisch nichts erhalten geblieben ist. Und manche der erhaltenen und nun (wieder)entdeckten Malereien zeichnen ein bisher unbekanntes Bild des damaligen Rom: So haben die Forscher(innen) die Darstellung einer Szene aus der Legende der Heiligen Thekla gefunden, die sie zusammen mit dem Apostel Paulus zeigt. "Ein Hinweis, dass die wegen ihrer rebellischen Art vom christlichen Establishment anfangs nicht besonders geschätzte Heilige etwas später als Paulusschülerin auch im Westen des Reiches verehrt wurde", erläutert Zimmermann. Weiters entdeckten die Forscher(innen) die Darstellung der Titelheiligen der Katakombe, der Märtyrer Nereus und Achilleus.
Damit die Malereien auch virtuell genau abgebildet werden, haben die Forscher(innen) hochauflösende Aufnahmen gemacht und sie anfangs händisch in die Rekonstruktion eingebracht. Eine mühsame Angelegenheit, die zur Entwicklung neuer Software inspirierte, die diesen Vorgang automatisiert. Zimmermann: "Jetzt können wir bereits semiautomatisch arbeiten, wir hoffen, dass das Aufbringen der Malereien am Ende des Projekts vollautomatisch abläuft."
Nur ein kleiner Teil der Domitilla-Katakombe ist für die Öffentlichkeit zugänglich und entsprechend mit Strom und Licht versorgt. Die virtuelle Rekonstruktion ermöglicht nun auch eine Reise durch die in Dunkelheit gehüllte Welt abseits der Touristenpfade. Eine Veröffentlichung als DVD ist in Vorbereitung.
Die
Animation
zeigt eine Kamerafahrt durch das Raummodell, und zwar den Weg, den die Pilger in der Zeit den Papstes Damasus (Ende 4. Jh.) nahmen, um die Gräber der Heiligen Nereus und Achilleus (heute in der halbunterirdischen Basilika) zu verehren.
Auf der
Projekt-Website
dokumentieren die Forscherinnen und Forscher laufend der Fortschritt ihres Projekts.
Kontakt:
Dr. Norbert Zimmermann
Institut für Kulturgeschichte der Antike
Zentrum Archäologie und Altertumswissenschaften
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Bäckerstraße 13, 1010 Wien
T +43 1 51581-3487
norbert.zimmermann@oeaw.ac.at
www.oeaw.ac.at/antike
Mai 2009
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Interview mit Christine Neugebauer-Maresch
Mykenes Ende - Späte Bronzezeit in Griechenland
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