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Mit März 2009 nimmt eine neue Arbeitsgruppe des RICAM am Campus Vienna Biocenter ihre Arbeit auf. Ziel ist, erster Ansprechpartner für mathematische Methoden in den Biowissenschaften in Wien zu werden.
Für die modernen Biowissenschaften wird die Mathematik immer wichtiger. Mit März 2009 nimmt eine neue Arbeitsgruppe des ursprünglich in Linz beheimateten Johann Radon Institute for Computational and Applied Mathematics (RICAM) der ÖAW in Wien am Campus Vienna Biocenter ihre Arbeit auf.
Unter der Leitung von Philipp Kügler und Christian Schmeiser wollen die Forscher mathematische Methoden für die Molekular- und Systembiologie entwickeln. Die möglichen Arbeitsfelder sind vielfältig: Zum Beispiel untersuchen Philipp Kügler und Christoph Flamm von der Universität Wien im Rahmen eines vom Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) geförderten Projektes die Regulierung von Cortisol durch die Hirnanhangsdrüse. Dieses Hormon spielt bei der Stressbewältigung im menschlichen Körper eine wesentliche Rolle. "Wir wollen diese Prozesse experimentell erforschen und mit Hilfe der so gewonnenen Daten mathematisch beschreiben", erklärt Kügler. Das Projekt startete im Frühjahr 2008 und ist auf zwei Jahre angelegt. Potenzielle Anwendung liegt in der Optimierung der Therapie von Störungen im Cortisolhaushalt.
Auch die Forschungsarbeit von Christian Schmeiser hat medizinisches Anwendungspotenzial. Er will in einem ebenfalls vom WWTF geförderten Projekt gemeinsam mit Vic Small vom Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der ÖAW verstehen, wie sich Zellen bewegen. Diese Frage gehört derzeit zur biologischen Grundlagenforschung, könnte aber in Zukunft beispielsweise für die Erforschung der Immunabwehr wesentlich werden. "Für unsere Arbeit können wir auf Kernkompetenzen des RICAM zurückgreifen wie die Modellierung und numerische Simulation mit partiellen Differentialgleichungen, sowie die Lösung inverser Probleme zur Parameteridentifikation", so Schmeiser.
Dass das RICAM gerade die Bundeshauptstadt als Standort für seine neue Arbeitsgruppe gewählt hat, kommt nicht von ungefähr: "In Wien sitzen die wichtigsten Player der molekular- und systembiologischen Forschung in Österreich", sagt RICAM-Direktor Heinz Engl. Er startete bereits 2005 in Zusammenarbeit mit dem Chemiker Peter Schuster, seit 2006 Präsident der ÖAW, ein WWTF-Projekt zur Erforschung der Dynamik zellulärer Netzwerke.
Zu den bestehenden sowie potenziellen Partnern der neuen RICAM-Arbeitsgruppe gehören ÖAW-Institute wie das IMBA ebenso wie Institute der Universität Wien und der Medizinischen Universität Wien oder Einrichtungen wie das Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP) von Boehringer Ingelheim. Engl: "Wir wollen systematisch die ersten Ansprechpartner zur mathematischen Methodenentwicklung für biologische Fragestellungen in Wien werden."
Oberstes Gebot für die Forscher ist Flexibilität: Kompetenzen sollen zusammengeführt, gemeinsame Lösungswege gefunden werden. Dabei ist den Mathematikern wichtig, nicht als reine Service-Dienstleister gesehen zu werden. Auch die Mathematik als Fach soll weitergebracht werden (siehe auch
hier
). Dazu bietet Schmeisers Zukunftsvision wohl reichlich Gelegenheit: "Wir wollen Modelle für einzelne Mechanismen in eine lebensnahe mathematische Umgebung einbetten." Was bedeutet, biologische Systeme in ihrer ganzen Komplexität zu erfassen.
Links zu den WWTF-Projekten:
Modelling the dynamics of cellular networks using inverse methods
Elucidating spatio-temporal coherence of cellular processes by data-driven inverse analysis: redox rhythmicity in yeast and diffusion controlled hormone feedback cycles
How do cells move? Mathematical modelling of cytoskeletal dynamics and cell migration
Kontakt:
Arbeitsgruppe für Mathematische Methoden in der Molekular- und Systembiologie
Johann Radon Institute for Computational and Applied Mathematics (RICAM)
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Dr. Philipp Kügler
philipp.kuegler@jku.at
RICAM-Homepage
Prof. Dr. Christian Schmeiser
christian.schmeiser@univie.ac.at
RICAM-Homepage
Februar 2009
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Mathematik und Biowissenschaften: Eine junge Zusammenarbeit
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