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Der wissenschaftliche Direktor des IMBA - Institut für Molekulare Biotechnologie der ÖAW zu neuen Erkenntnissen und Forschungszielen für die nächsten Jahre.
Was sind die wichtigsten Erkenntnisse der letzten Jahre, die am IMBA - Institut für Molekulare Biotechnologie gewonnen wurden?
Penninger: Ich möchte drei Gebiete herausheben: Stammzellen- und RNA-Forschung, sowie die Zusammenhänge, warum SARS und Vogelgrippe so akut gefährlich sind. Jürgen Knoblich hat nicht nur die charakteristischen Teilungsprozesse (Stichwort: asymmetrische Zellteilung) in Stammzellen aufgeklärt, sondern ein fundamental wichtiges Gen zur Unterdrückung von Tumoren gefunden: Fehlt dieses "BRAT" genannte Gen in Drosophila-Stammzellen, entwickelt sich anstelle eines gesunden Gehirns ein Tumor. Javier Martinez hat eine RNA-spezifische Kinase entdeckt, die wesentlich an der Genregulation mittels RNA-Interferenz beteiligt ist. Meine Arbeitsgruppe erforschte am Mausmodell, wo akut gefährliche Viren wie SARS oder Vogelgrippe die körpereigenen Abwehrmechanismen außer Kraft setzen. Beide Krankheiten münden letztendlich in akutem Lungenversagen, weil die Viren entscheidende Rezeptorproteine zum Schutz der Lunge blockieren.
Was sind die wichtigsten neuen Methoden, die den wissenschaftlichen Fortschritt in Ihrem Gebiet ermöglicht haben?
Penninger: IMBA leistet gemeinsam mit dem Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie GmbH (IMP) einen wichtigen Beitrag zur Technologieentwicklung. Die Infrastruktur der benachbarten Forschungszentren ist zentral organisiert und steht somit beiden Instituten zur Verfügung. Das betrifft die Fliegenbibliothek (Drosophila-Mutanten), die weltweit Anerkennung findet. Seit kurzem haben wir ein Kryo-Transmissionselektronenmikroskop, das uns die Untersuchung von molekularen Maschinen in ihrer natürlichen Umgebung, nämlich im wässrigen Milieu, in 3D erlaubt. Wir haben ausgezeichnete Unterstützung von Proteinchemikern sowie eine Sequenzierplattform. All das ermöglicht es uns, interdisziplinär zu arbeiten.
Was sind in Ihrem Forschungsbereich die größten Hürden, um von Erkenntnissen über Modell-Organismen zu allgemein gültigen Aussagen zu kommen - auch zu Aussagen, die als Basis für die anwendungsorientierte Forschung dienen?
Penninger: Grundlagenforscher(innen) sind voll von guten Ideen. Was davon in der Zukunft zur Anwendung kommt, ist zu Beginn niemals klar. Um aber die Ergebnisse der Grundlagenforschung konsequent in anwendungsorientierte Forschung einfließen lassen zu können, fehlt bis jetzt in Österreich ein Bindeglied. IMBA schlägt für diesen notwendigen Brückenschlag ein neues Zentrum vor: Ein Translational Research Center am Campus Vienna Biocenter könnte Ergebnisse der Grundlagenforschung aufgreifen und potentielle Wirkstoffe gezielt herstellen und systematisch testen.
Was wünschen Sie sich für das IMBA für die nächsten zwei bis drei Jahre?
Penninger: Wir wünschen uns, dass IMBA wächst: Wir haben genug Platz, dass das Institut mittelfristig etwa so groß wie das benachbarte IMP wird. Das bedeutet einen Senior Scientist mehr und vier bis fünf neue Junior Scientist-Gruppen. In punkto Forschung setzen wir drei Schwerpunkte: RNA-Biologie, Stammzellforschung und die Modellierung von Krankheiten. Unser großes Vorbild auf lange Sicht ist natürlich die Rockefeller University, die 1901 als Rockefeller Institute for Medical Research gegründet wurde und die biomedizinische Forschung über ein Jahrhundert enorm voran gebracht hat.
Reagiert Ihrer Meinung nach die Gesellschaft richtig auf den rasanten Wissenszuwachs? Wenn nicht, was wäre wichtig zu tun?
Penninger: Die Ablehnung von Gentechnik und Stammzellforschung macht mir große Sorgen. Die Angst davor nimmt in Österreich zeitweise religiösen Charakter an und hat absolut nichts mit dem tatsächlichen Gefahrenpotential zu tun. Wir müssen erkennen, dass diese Technologien weltweit die Basis für die Wirtschaftsentwicklung sind. Dementsprechend müssen wir in die Ausbildung der Jugend investieren. Am Campus haben wir das Vienna Open Lab: Es leistet enorm wichtige Bildungsarbeit. Darüber hinaus braucht es aber auch noch von Politik und Forschungsförderern ein klares Bekenntnis zu neuen Technologien. Das Weltwirtschaftsforum in Davos Ende Jänner 2009 hat wieder gezeigt, dass die wirtschaftskräftigen Nationen als Antwort auf die derzeitige Krise massiv auf Wissenschaft und Forschung setzen.
Zur Person:
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Josef Penninger wurde 1964 in Oberösterreich geboren. Er studierte in Innsbruck Medizin und ging anschließend als Principal Investigator zum US-Gentechnikkonzern Amgen. Penninger habilitierte sich 1997 an der Universität Innsbruck und war seit 1998 Associate Professor am Institut für Immunologie und Medizinische Biophysik der University of Toronto. Nach zwölfjähriger Forschungstätigkeit in Kanada kehrte er 2001 nach Österreich zurück, um die Leitung des neu gegründeten IMBA zu übernehmen.
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Kontakt:
Prof. Dr. Josef Penninger
Wissenschaftlicher Direktor
IMBA - Institut für Molekulare Biotechnologie
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
1030 Wien, Dr. Bohr-Gasse 3
T: +43 1 79 044-4700
josef.penninger@imba.oeaw.ac.at
www.imba.oeaw.ac.at
Februar 2009
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