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Tabakrauch, Feinstaub, Nanopartikel: Die ÖAW-Kommission für Reinhaltung der Luft bündelt Expert(inn)enwissen zu Luftschadstoffen.

Die Kommission für Reinhaltung der Luft (KRL) der ÖAW hat es sich zum Ziel gesetzt, Expert(inn)enwissen für die politische Entscheidungsfindung bereitzustellen, wenn verschmutzte Luft zur Gefahr für die Gesundheit wird. Die KRL ist ein interdisziplinär zusammengesetztes Team, das einerseits Forschungsprojekte initiiert und Richtlinien und Empfehlungen erarbeitet, sich darüber hinaus aber auch an der öffentlichen Diskussion über die notwendigen Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität beteiligt. Aktuelle Projekte betreffen das Passivrauchen und Feinstaub aus Verkehr und Hausbrand.

Marianne Popp, Mitglied der ÖAW und Pflanzenphysiologin an der Universität Wien, leitet die Kommission, der Wissenschafter und Wissenschafterinnen aus physikalisch-chemischen, geophysikalisch-meteorologischen Fachrichtungen sowie aus den Bereichen Umwelthygiene und Verfahrenstechnik angehören. "Uns ist es wichtig, Immissionen, Emissionen, Verteilung und Wirkung von Luftschadstoffen im Fächer übergreifenden Zusammenhang bekannt zu machen. Denn das ist der erste Schritt, das Wissen für die Politik - und letztlich für die Verbesserung der Luftqualität - nutzbar zu machen", erläutert Marianne Popp.

Tabakrauch, Feinstaub und Nanopartikel

Ein konkretes Beispiel für die Arbeit der Kommission sind die Aktivitäten aus Anlass der Tabakgesetznovelle 2008. In einem Pressegespräch wurden unabhängige Studien vorgestellt, die eindeutig belegen, dass Lüftungsanlagen und Luftreinigungsgeräte verrauchte Luft nur ungenügend reinigen können. Für die Menschen, die beispielsweise in verrauchten Räumen arbeiten müssen, bedeutet das, dass ihre Blutgefäße vorzeitig altern. Die Folge können Entzündungen und Blutgerinnsel sein.

Ein weiterer Schwerpunkt der KRL-Arbeit ist die Feinstaubproblematik. Das betrifft Luftverunreinigungen, deren Teilchen kleiner als zehn Mikrometer sind. "Feinstaub dringt zwar allmählich ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, ihn wirksam einzudämmen, braucht aber unpopuläre Maßnahmen wie beispielsweise Partikelfilter für alle Dieselmotoren und Mindeststandards bei Holzheizungen", ist Marianne Popp überzeugt. Holzheizungen wurden nämlich in den vergangenen Jahren als Klima schonende Alternative zu Ölheizungen angepriesen, ohne gesetzliche Vorschriften bezüglich der Staubemissionen bei der Genehmigung der Heizgeräte zu erlassen.

Bei der kleinsten Fraktion von staubförmigen Luftverschmutzungen handelt es sich um Nanopartikel, die hundert Mal kleiner sind als der übliche Feinstaub. Sie kommen in Auto- und Industrieabgasen vor und werden mehr und mehr wegen ihrer besonderen Materialeigenschaften synthetisch hergestellt. Nanopartikel gelten im technischen Bereich nahezu als Wundermittel, mit denen man die Funktionsweise von Alltagsprodukten - von Sonnencremen bis Autolacken - verbessern kann. Sie sind aber nicht unproblematisch: Wegen ihrer Kleinheit können sie über die Lunge in die Blutbahn gelangen, die Blut-Hirnschranke überwinden und in besonders hohen Konzentrationen sogar durch die Plazenta bis zum Fötus kommen. Nanopartikel sind sehr reaktiv und verursachen bei entsprechender chemischer Zusammensetzung - nach derzeitigem Wissensstand - entzündliche Abwehrreaktionen im Körper. "Das Risiko, das von Nanopartikel ausgeht, ist uns erst in Ansätzen bewusst. Wir von der KRL wollen hier eine Diskussion in Gang setzen und neue Forschungsprojekte initiieren", so Marianne Popp.


Weitere Informationen:
Vortrag: Sehr klein und voller Überraschungen. Toxikokinetik inhalierter Nanopartikel
Entspricht die Tabakgesetznovelle 2008 dem Stand der Wissenschaft?
Holzheizungen: klimaschonend aber gesundheitsgefährdend durch Feinstaub


Kontakt:
Univ.-Prof. Dr. Marianne Popp
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Kommission für Reinhaltung der Luft
1010 Wien, Fleischmarkt 20
Postadresse: 1010 Wien, Dr. Ignaz Seipel-Platz 2
T +43 1 51581 2450
marianne.popp@univie.ac.at
krl@oeaw.ac.at
http://www.oeaw.ac.at/krl/


Dezember 2008
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Last update: 2009/02/17
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