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Das Institut für Weltraumforschung (IWF) der ÖAW in Graz ist etablierter Partner in der internationalen Weltraumforschung. Wolfgang Baumjohann, Direktor des Instituts, verrät im Gespräch mit Martina Gröschl das Erfolgsrezept des IWF, aktuell wichtige Forschungsfragen, Pläne für die Zukunft und wie das IWF die Jugend über die Faszination für den Weltraum für Technik begeistern will.
Das IWF ist an zahlreichen internationalen Weltraummissionen beteiligt, zu seinen Partnern gehören die europäische Weltraumorganisation ESA, die amerikanische NASA oder die japanische Weltraumbehörde JAXA. Was ist das Erfolgsrezept des Instituts?
Baumjohann: Das allerwichtigste sind natürlich gute und engagierte Mitarbeiter. Entscheidend ist aber auch eine gewisse Größe des Instituts. Wenn es zu klein ist, kann es in der Weltraumforschung nicht bestehen. Das hängt mit den sehr langen Projektzeitläufen zusammen - die Gesamtlaufzeit einer Mission kann bis zu 30 Jahre betragen. Laufen mehrere Missionen gleichzeitig, sind mehrere Gruppen in verschiedenen Projektstadien im Einsatz: Die eine Gruppe baut gerade ein Instrument, die nächste Gruppe wertet die Daten eines Instruments aus, das sich gerade im Weltraum befindet.
Mit rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist das IWF im internationalen Vergleich aber immer noch ein kleines Institut. Um im internationalen Wettbewerb trotzdem bestehen zu können, haben wir uns auf ganz bestimmte Themenbereiche beschränkt: die Planetenforschung mit Schwerpunkt Physik - speziell Plasmaphysik -, die Erforschung der Erdmagnetosphäre sowie die Satellitengeodäsie. In diesen Bereichen gehören wir zur Weltspitze.
Auch hat sich das IWF als verlässlicher Partner etabliert. Das ist gerade aufgrund der oben erwähnten langen Projektzeitläufe wesentlich. Dazu braucht es eine langfristige Planungssicherheit, die am IWF gegeben ist.
Was sind die wesentlichen Forschungsfragen am IWF?
Baumjohann: Wir bauen Instrumente für Messungen vor Ort, zum Beispiel der Oberfläche von Kometen, Magnetfeldmessungen in der Nähe der Venus oder für die Vermessung von Staub mit einem Rasterkraftmikroskop. Damit sind unsere Forschungsfragen automatisch auf das Sonnensystem beschränkt. Ein ganz großes Thema ist: Wie verhalten sich Weltraumplasmen? Im Kosmos ist der Großteil der Materie in einem Plasmazustand. Diesen studieren wir - wegen der einfachen Erreichbarkeit - in der Nähe der Erde; die Ergebnisse lassen sich jedoch z.B. auf das Verhalten von Plasmen in ganzen Galaxien übertragen. Eine sehr physikalische Frage, die jedoch wichtig ist, um zu verstehen wie der gesamte Kosmos funktioniert.
Eine weitere wichtige Frage betrifft die Entwicklung der Erde: Wenn wir zu anderen Planeten fliegen, dann machen wir das teilweise einfach aus Neugierde, weil wir wissen wollen, was dort passiert. Aber wir versuchen auch immer einen Vergleich mit der Erde herzustellen. Zum Beispiel: Was verrät uns der Treibhauseffekt auf der Venus über die Klimavergangenheit der Erde? Warum hat der Mars einen Großteil seiner Atmosphäre verloren? Um die Erde besser zu verstehen, ist es wichtig zu sehen, warum sich Planeten, die von ihrer Größe her gar nicht so unterschiedlich von der Erde sind, ganz anders entwickelt haben.
In diesem Zusammenhang sind auch Kometen interessant. Sie sind sehr früh entstanden, als die Erde noch gar nicht beziehungsweise gerade erst da war und bestehen sozusagen aus der Urmaterie des Sonnensystems. Im Rahmen einer Mission der ESA sind wir gerade auf dem Weg zum Kometen Rosetta, um diese Urmaterie zu erforschen.
Das IWF lädt regelmäßig zu Veranstaltungen für die breite Öffentlichkeit, beispielsweise erst Ende April zum Space Clubbing anlässlich des Starts des Galileo-Satelliten GIOVE-B. Was ist die Motivation dahinter?
Baumjohann: Der Weltraum ist nicht nur wissenschaftlich, sondern auch kulturell von Bedeutung. Er interessiert die Menschen auf der Straße mehr als so mancher wissenschaftlich vielleicht als wichtiger angesehene Bereich. Daher sehen wir es auch als unsere Aufgabe, ihn den Menschen zugänglich zu machen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass man über die Faszination für den Weltraum gerade junge Leute für die Technik begeistern kann. Deswegen organisieren wir auch spezielle Veranstaltungen für Kinder - wie den Weltraumwettertag im letzten Jahr. Die meisten Buben und Mädchen werden zwar nicht Astronauten oder Weltraumforscher(innen), sie werden aber vielleicht einen technischen Beruf ergreifen. Und wie Sie wissen, sind es die Techniker, die fehlen.
Wie sehen die Pläne des IWF für die nächste Zukunft aus?
Baumjohann: Wir sind gerade dabei, Geräte für zwei relativ große Missionen zu bauen: die Magnetospheric Multi-Scale (MMS) Mission der NASA, eine Mission mit vier Satelliten, die Energieumsetzungsprozesse in der Erdmagnetosphäre untersuchen wird und 2014 startet. Bei dieser Mission ist Österreich der größte nichtamerikanische Partner. 2013 startet die Merkur-Mission BepiColombo - übrigens die erste größere Zusammenarbeit zwischen ESA und der japanischen Weltraumbehörde JAXA - bei der wir auch an mehreren Instrumenten beteiligt sind.
Zur Person:
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Wolfgang Baumjohann studierte Physik an der Universität Münster. Seine wissenschaftliche Laufbahn führte in über das MPI für extraterrestrische Physik in Garching bei München sowie Gastaufenthalten in den USA, Japan und China 2001 an das Institut für Weltraumforschung der ÖAW in Graz, wo er seit 2004 geschäftsführender Direktor ist. Im Ranking von Thomson Scientific gehört er zu den weltweit meist zitierten Forschern in den Bereichen Space Sciences und Geosciences. Er ist Mitglied im ESA Space Science Advisory Committee und vertritt seit 2002 Österreich im ESA Science Program Committee. Er ist Fellow der American Geophysical Union, korrespondierendes Mitglied der ÖAW und Träger des Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse. Mehr zu Wolfgang Baumjohann finden Sie
hier.
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Kontakt:
Prof. Wolfgang Baumjohann
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Institut für Weltraumforschung (IWF)
Schmiedlstr. 6, 8042 Graz
T +43 316 4120-501
wolfgang.baumjohann@oeaw.ac.at
www.iwf.oeaw.ac.at
Juni 2008
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