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Zur Herstellung von Glasgefäßen wurden in der Antike verschiedene Produktionstechniken verwendet. Am ÖAW-Institut für Kulturgeschichte der Antike werden Glasfunde aus Ephesos analysiert und in ihrem kontextuellen Zusammenhang interpretiert.

Glas wurde in der Antike in großen Produktionszentren vorwiegend im syrischen Raum hergestellt. Einer der Gründe dafür war, dass sich der Küstensand in diesem Gebiet optimal für die Glasherstellung eignet. Hier kommen Quarzsand als Hauptbestandteil und Natrium- und Kaliumkarbonatanteile in einem für die Glasschmelze optimalen Verhältnis vor. Als erstes Zwischenprodukt wurden große Glasziegeln hergestellt, die sodann auf dem Seeweg in den gesamten Mittelmeerraum verschifft wurden. In den lokalen Glaswerkstätten wurde das Glas dann unterschiedlich gefärbt und zu Gefäßen weiterverarbeitet.

Eine chemische Analyse von Glas ist aus mehreren Gründen bis in die Spätantike nicht sehr aufschlussreich. Zum einen stammte das Rohmaterial von wenigen zentralen Werkstätten. Zum anderen war Glas in der Antike ein wertvoller Rohstoff. Deshalb hat man zerbrochene Gefäße nicht einfach weggeworfen, sondern gesammelt und wiederverwertet. Das führte dazu, dass eventuelle Unterschiede in der Herkunft des Rohmaterials sich durch die Wiederverwertung verwischten. Erst ab dem Mittelalter lassen sich sinnvoller Weise mithilfe von naturwissenschaftlichen Methoden einzelne Glaswerkstätten differenzieren; erst dann können Gefäße verschiedenen Werkstätten zugeordnet werden.

Martina Schätzschock vom Institut für Kulturgeschichte der Antike der ÖAW erforscht antike Glasfunde aus Ephesos vom Staatsmarkt und dem Hanghaus 2. Die Gläser stammen aus dem 1. Jh. v. Chr. bis 7. Jh. n. Chr. In dieser Zeit war Ephesos zu einer Großstadt und Drehscheibe des Handels aufgestiegen, verlor aber aufgrund katastrophaler Erdbeben, Plünderungen und schließlich durch die Verlandung des Hafens bis zum frühen Mittelalter hin seine herausragende Bedeutung. Die Glasfunde aus Ephesos werden einer formenkundlichen, stilistischen und chronologischen Einordnung unterzogen. Die Entwicklung des Formtypus und die Funktion der Gefäße werden unter Berücksichtigung aller vorhandenen Fundgattungen in ihrem kontextuellen Zusammenhang interpretiert. Darüber hinaus vermitteln die Objekte Einblicke in den Lebensstandard der (wohlhabenden) Einwohner und zeugen von der wirtschaftlichen Prosperität der Stadt Ephesos in der römischen Kaiserzeit.

Produktionstechniken

Die Glasfunde aus Ephesos unterscheiden sich je nach Alter in der Produktionstechnik. Die relativ kleinen, oft gefärbten und kunstvoll verzierten Kleinstgefäße klassischer und hellenistischer Zeit, die für Parfumöle, Salben oder als Amulette verwendet wurden, produzierte man mit der so genannten Stabkerntechnik: Ein heißer Glasfaden wurde am unteren Ende eines Metallstabes befestigt und - unter neuerlichem Erhitzen und Verschmelzen - solange um den Stab gewickelt, bis die gewünschte Form erreicht war. Dieselbe Technik wendete man auch in Perlenmanufakturen an. Die Gefäße aus der Zeit des Hellenismus und der frühen römischen Kaiserzeit (bis zum beginnenden 1. Jh. n. Chr.), so genannte Schliffrillen- und Rippenschalen, wurden durch Formschmelzen des Glases hergestellt, die Rippen mit Hilfe einer langsam drehenden Töpferscheibe in ihre charakteristische Form gebracht. Bereits im 1. Jh. n. Chr. wurde es üblich, Glasgefäße - vorwiegend Schalen, Becher und Flaschen, aber auch Teller und Lampen - mit der Glasmacher-Pfeife herzustellen. Davon zeugen die reichen Funde aus Ephesos. Produktionszentren für geblasenes Glas gab es während der Kaiserzeit im gesamten römischen Reich, sowohl in den westlichen und nördlichen Provinzen (zum Beispiel in Köln), als auch im Osten. Es ist davon auszugehen, dass in der Spätantike bereits jede größere Stadt lokale Glaswerkstätten besaß.


Kontakt:
Mag. Martina Schätzschock
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Zentrum für Archäologie und Altertumswissenschaften
Institut für Kulturgeschichte der Antike
1010 Wien, Bäckerstraße 13
T + 43 1 51581-3475
martina.schaetzschock@oeaw.ac.at
www.oeaw.ac.at/antike


Februar 2008
Lesen in antiken Metallenzurück top end

 
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
1010 Wien
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2
Tel.: (+43 1) 51581-0
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Last update: 2008/02/08
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